Teil eines Werkes 
[Neue Nr. 3543] (1875) Sect. Ketzin / geognost. und agronom. aufgenommen durch G. Berendt, L. Dulk und F. Wahnschaffe
Entstehung
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Blatt Ketzin . 3

In der Richtung der verschiedenen Thalbildungen, welche auf den ‚ersten Blick ziemlich verworren erscheint, lässt sich trotzdem eine gewisse Gesetzmässigkeit erkennen. Die für das norddeutsche Flachland so charakteristische SO.-NW.-Richtung, welche in dem mecklenburgisch- uckermärkischen Höhenzuge, in dem hohen Fläming und in der Erstreckung des alten Oderthales ihren Ausdruck findet, wird auch auf der Section Ketzin in der Seen­kette des Grossen und Kleinen Plessow- Sees, vor allem aber von der Hayel. wiederholt, indem dieselbe der südlichen Abdachung der Hochfläche folgt. Die verschiedenen Thalrinnen innerhalb der Seetion sind überhaupt zunächst durch den früheren und jetzigen Lauf der Havel und ihres rechten Nebenflüsschens, der Wublitz, bedingt.

Die Havel , welche auf den Nachbarsectionen Fahrland und Pots­ dam einen der vorher angegebenen SO.-N W.-Richtung gerade ent­gegengesetzten NO.-SW.-Lauf besitzt, scheint in letzterem zunächst der Hauptrichtung der alten Schmelzwasserrinnen des scandinavisch­norddeutschen Inlandeises zu folgen. Als später die Oder das breite Thal füllte, werden sich wahrscheinlich die Wasser der Hayel von Caputh. bis- Spandau in_entgegengesetzter Richtung in dieses Thal ergossen haben. KErst als die Öder allmählich ausblieb und ver­sandete, suchte sich die Havel , durch die Wasser der. Nuthe.an­gestaut, einen anderen Weg. So wird zunächst ein Durchbruch durch den Jungfernsee, Nedlitzsee, Fahrländersee und durch die Niederung des Sacrow- Paretzer Canals stattgefunden haben. Ihm folgte ein zweiter über Potsdam durch die Niederung südlich Eiche und Golm, .von welcher der südöstliche Theil der Section Ketzin noch ein Stück umfasst. Zu diesen beiden Durchbrüchen, welche in der Richtung von Ost nach West stattfanden, kam schliesslich ein dritter bei Baumgartenbrück hinzu, durch welchen der jetzige Havellauf bestimmt worden ist. Von Baumgartenbrück bis Ketzin fliesst. die Havel von SO. nach NW., nimmt jedoch bei ihrem Austritt aus der Section, durch das hohe Vorland gehemmt, eine WSW.-BRichtung an. Auf die eigenthümliche Bedeutung, welche der Wublitzsee für die Wasservertheilung innerhalb der ganzen

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