Teil eines Werkes 
Grad-Abtheilung 29, Blatt 58 [Neue Nr. 2955] (1901) Lippehne : geologische Karte / geognostisch und agronomisch bearb. durch R. Michael 1898
Entstehung
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Oberflächenformen und geologischer Bau des weiteren Gebietes.

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entsprechend sind auch alle gleichaltrigen Bildungen doppelt vorhanden, die aus ihnen durch die Thätigkeit der Schmelz- wasser ausgeschlemmt und vor dem Eisrand oder unter dem Eise abgelagert wurden.

An den Punkten, wo sich das Eis zurückzog, wo mehr Eis zum Schmelzen kam, als der stets in Vorwärtsbewegung befindliche Gletscher durch Nachschub ersetzen konnte, liessen die Schmelzwasser die im Eise enthaltenen oder auf ihm trans- portirten Steine und Sandmassen fallen; so entstanden Sand-, Grand- und Kiesablagerungen auf der Grundmoräne.

Das Inlandeis zog sich aber nicht gleichmässig zurück, sondern machte beim Rückzuge auf gewissen Linien längere Zeit Halt. Da an solchen Stillstandspunkten, wo also gerade so viel Eis abschmolz als nachrückte, im Laufe längerer Zeit ungemein viel Eismassen sich auflösen mussten, so kam es hier zu grösseren Anhäufungen des mitgeführten Schuttmateriales. Hier fiel Block auf Block, es bildete sich oft eine sogenannte Blockpackung, die Lücken wurden mit Sand und Kies aus- gefüllt; da auch beständig neuer Grundmoränenbrei vorrückte und sich an der Blockpackung vor dem Eisrande staute, so wurde auch gelegentlich Grundmoränenmaterial zwischen die Blöcke gepresst. Enthielt das Inlandeis sehr viel sandige Partieon, so kam es auch zur Anhäufung grosser Sandmassen. Der Eisrand konnte aber auch durch grossen, einseitig lastenden Druck von oben auf die Schichten des Untergrundes wirken, dieselben aufrichten und selbst zu wallartigen Erhebungen, den sogenannten Durchragungszügen, aufpressen. Schliesslich be­deckten dann die Schmelzwasser stellenweise sowohl alle diese Bildungen, als auch den beim früheren Zurückweichen frei­gewordenen Gescliiebemergel vor diesen Rückzugsetappen mit einer Sandschicht. Man nennt nun die bei dem Eisstillstand entstehenden Blockwälle, die sich vielfach zu langen wallartigen Zügen zusammenschliessen, Rand- oder Endmoränen. Die Durch- ragungszüge (Staumoränen) sind als Aequivalente der End­moränen aufzufässen.

Was nun derartigen Gebieten den eigenthümlichen geolo­gischen und agronomischen Charakter verleiht, ist weniger die