Heft 
Band 5 Heft 1/2
Seite
111
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OTIS 5(1997) 1/2: 111-120

Die Vogelwelt des Golfplatzes Wilkendorf

JÜRGEN STAGE

1. Einleitung

Als der Bau eines Golfplatzes in Wilkendorf behördlicherseits entschieden war, entschloß sich der Verfasser, diesen Eingriff in die Feldheckenlandschaft von Wilkendorf(ca. 40 km von Ber­ lin entfernter Ortsteil von Gielsdorf im Amt Altlandsberg ) hinsichtlich der Auswirkungen auf die Vogelwelt genauer zu untersuchen.

Besonders folgende Gesichtspunkte spielen bei der Golfplatzproblematik eine Rolle: Golfplätze waren für das Land Brandenburg eine neue Entwicklung und aus Naturschutz­sicht mit einem Negativ-Image belastet(WOLLE 1993, LANGE 1994).

Golfsport bedeutet viel Fläche für wenig Leute. Es gibt zwei grundlegende Konzeptionen (BAER& PREISSMANN 1992):

Spielflächengestaltung durch weitgehende Anpassung an die landschaftlichen Gegeben­heiten, also das ganze Landschaftsbild nur unwesentlich verändern(Landschaftsgolfplatz) oder

Landschaftsumgestaltung entsprechend dem Golfkonzept, also die Landschaft entspre­chend anpassen bzw. neu modellieren(amerikanische Variante).

Der Verfasser war optimistisch, daß sich ein Golfplatz die Landschaft nicht einverleiben muß. Außerdem: Kein Golfplatz gleicht dem anderen, und es ist wichtig, wieviel Golfplätze man ins­gesamt bauen läßt.

Das gesamte Gelände war für zwei Golfplätze(18-Loch-Anlagen), einer Wohnzone mit Park und einer Golfakademie mit Übungsanlagen vorgesehen.

Noch vor Baubeginn mußte eine Bestandsaufnahme erfolgen, wozu sich noch das Jahr 1992 anbot. Nach Abschluß des Baues und wenigstens einem Jahr Spielbetrieb sollten die Auswir­kungen dokumentiert und die Ergebnisse mit dem Jahr 1992 verglichen werden.

Das Vogelartenspektrum des gesamten Geländes(etwa 200 ha) wurde qualitativ erfaßt, und auf einer Kontrollfläche von 100 ha(der künftigen 18-Loch-Anlage) wurden vergleichende Sied­lungsdichteuntersuchungen 1992 und 1996 durchzuführt.

Die Untersuchungen sollten aber nicht nur nach Abschluß der Baumaßnahmen vorgelegt wer­den, sondern hatten auch zum Ziel, nach den Ergebnissen von 1992 das ganze Vorhaben kri­tisch zu begleiten. Deshalb enthielt die erste Untersuchung(1992) auch schon eine Prognose, wie sich das ganze Projekt auf das Vogelartenspektrum auswirken würde. Außerdem sollte damit auch ein ökologisches Gutachten(KRETSCHMER 1990) ergänzt werden. Die Bedeu­tung der Vogelwelt im Rahmen von Landschaftsplanung sollte hier noch einen entsprechenden Stellenwert bekommen(STEIOF 1983, Projektgruppe 1995), jedoch war nicht beabsichtigt, hier eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu ersetzen.