Langgemach, Block& Koch: Ungewöhnlicher Neststandort eines Zaunkönigs
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Abb. 3: Das Gebäude von außen- das Nest befindet sich rechts neben dem angekippten Fenster im oberen Stockwerk. Foto: B. Block.
Fig. 3: View of the building from outside- the nest is right of the open window in the upper floor.
Diskussion
Beim Zaunkönig ist das Männchen für den Nestbau verantwortlich und baut gewöhnlich mehrere Nester. Es sitzt dann tagelang bei seinen Nestern und singt, um ein Weibchen auf sich und die potenziellen Brutplätze aufmerksam zu machen( MAKATSCH 1976). Daher plädiert DALLMANN( 1987) für den Begriff " Wahlnest" statt„ Spielnest“. Das Weibchen nimmt eines dieser Wahlnester an und baut es aus( GLUTZ& BAUER 1985). In unserem Fall wirkt das Nest durch den großen Eingang und die fehlende Verstärkung des Fluglochbereiches etwas unfertig( MARQUARDT 2016 und schriftl. Mitt.), so dass sich wohl kein Weibchen an der Fertigstellung beteiligt hat.
Wenn für den Bau eines Nestes oft nur ein und ein halber Tag erforderlich sind und ein Männchen in einem Jahr sogar zehn oder zwölf Nester errichten kann( MAKATSCH 1976), ist der Bau eines einzelnen Nestes anscheinend keine allzu große Investition, zumal sich die Männchen in vielen Fällen nicht an der
Jungenaufzucht beteiligen( MAKATSCH 1976). Es mag sich also lohnen, auch einmal Nester an ungewöhnlichen Standorten anzubieten, wobei das Risiko, kein Weibchen mit ähnlichem„ Geschmack" zu finden, durch weitere Nester in der natürlichen Umgebung kompensierbar ist. In unserem Falle wurde nach solchen nicht gesucht, da die Zielart der Exkursion eine ganz andere war.
Generell sind die Neststandorte beim Zaunkönig sehr vielfältig. Die Auflistung durch GLUTZ& BAUER( 1985) füllt fast eine Seite. Danach eher selten sind Nester in und an Holz- und Steinbauten: auf Dachbalken, in die Wand geschlagenen Nägeln, aufgehängten Kleidungsstücken, Seilen oder Geräten, alten Schwalben- oder Amselnestern, Blumentöpfen- usw. Auch nahrungssuchend sind Zaunkönige in Kellern, Garagen, Gewächshäusern oder Werkstätten anzutreffen( OHLSEN in KLAFS& STÜBS 1977).