Heft 
(1927) 36
Seite
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Zu VIII. Die Sage von einem Riesenkönig, der in einem dreifachen Sarge liegt, ist häufiger in der Mark: Hünenberg bei Rotzis, Hünengrab bei Mellen, Kemnitz, Zühlen. Das ,, Königsgrab" zwischen Hiltrup und Münster in West­falen. Die Bezeichnung Königsgrab findet sich in der Mark nur noch bei Seddin, von dem eine ähnliche Sage geht. Der Gielsdorfer Königsgrabhügel ist von elliptischer Form und hat eine Längsachse von etwa 100 Meter, eine Breitenachse von etwa 40 Meter Länge. In der Mitte erhebt sich eine alte Eiche; nicht weit davon liegt ein großer Findling, der bis vor kurzem von einem Steinkreis um­geben war; auch unter der Eiche und am Ostrande des Hügels finden sich Steinpackungen. Eine wissenschaftliche Untersuchung des Hügels wurde 1912 bei Besichtigung durch die ,, Deutsche Gesellschaft für Vorgeschichte" angeregt, ist aber bis jetzt noch nicht erfolgt. Daß die Randplateaus des Blumenthals, namentlich die eigentliche Blumental- Hochfläche, reich an vorgeschichtlichen Gräbern sind, wußte bereits Virchow, der hier Kistengräber aufdeckte, während alle nachher freigelegten Grabstätten bronzezeitliche Hügelgräber sind. Das Strausberger Museum bewahrt aus einem einzigen Grabe 21 Tongefäße. Vgl. Mannus, Zeitschrift für Vorgesch. Bd. V. 1913. Jahrbuch des Heimatkreises Strausberg 1921, S. 16 ff.: Alt- Gielsdorf von Wels.

Die Sage vom Königsgrab in der Babe, die Busse in dem angeführten Mannusheft bringt, kennt der Volksmund in den angrenzenden Dörfern nicht, auch nicht die Bezeichnung ,, das Königsgrab"; wohl aber weiß man in Gielsdorf seit altersher, was ausdrücklich hervorgehoben sei, von den Königs­gräbern in den Birken am Kesselsee, wo viele alte Heidenkönige ihr Grab haben. Hinter dem Wunderberg haben sie( die Gräber) angefangen."

IX, 1. Der durch ganz Deutschland gehende und schon im 12. Jahrh. bezeugte Glaube vom wilden Jäger ist der wichtigste Ueberrest der Wodans­mythe. Der Ursprung der wilden Jagd aus dem Toben der Stürme ist augen­scheinlich. Der wilde Jäger jagt zu allen Tages- und Jahreszeiten, vor allem aber im Winter zur Zeit der Winterstürme, am liebsten in den 12 heiligen Nächten vom Weihnachts- bis zum Dreikönigstag. Die feurigen Hunde deuten auf den Blitz; Wodan geht vielfach in den Donnergott über, wenngleich die Zeit der Wintersonnenwende keine Gewitterzeit ist. Die Tiere überhaupt deuten auf die Wolken und ihr Heulen auf das Sturmesheulen. Wir treffen aber auch christliche Vorstellungen von einer Vergeltung nach dem Tode; auf die Freveltat des Oberförsters folgt Strafe. Manche Bestandteile der Wodansmythe sind auf St. Martin( gest. um 400 in Tours) übergegangen. In Baden heißt der wilde Jäger geradezu Junker Märten. Der in der Sage erwähnte Hans- Märten- Weg führt direkt auf die sagenhafte Stadtstelle.

Zu IX, 2. Die Sage von Förster Bärens", sagt Graffunder( Nachtrag zu den Sagen der Mark Brandenburg, Beilage zum 12. Jahresbericht des Prinz­Heinrich- Gymnasiums, Berlin) enthält die letzten Trümmer einer uralten Sage, die unter diesem Namen der Mittelmark eigentümlich sind. Er erwähnt als älteste Fassung die Sage ,, Bärens Kirchhof"( Kuhn, Märkische Sagen Nr. 205), nach der der Heidereuter Bärens in der Grimnitzer Forst bei Joachimsthal durch einen Eber zu Tode kam. Als 2. Stelle nennt er Köpenick, wo der Junker von Schön­feld, der den Eber zuvor im Traume sieht, den Ebertod erleidet. Eine 3. Stelle vermutet Graffunder im Süden von Berlin in der ,, Beerenstraße", die von Zehlendorf nach Wannsee führt und früher Bärens Weg hieß. Als 4. Stelle käme dann der Blumenthalwald in Betracht und in verblaßter Färbung vielleicht noch ,, Bärens Graff"( Grab) bei Sperenberg und ,, Bärens Bad" bei Angermünde. Während in den ersten Sagen vom Ebertod die Rede ist, ist das in den beiden letzten nicht mehr der Fall. Sonst ist die Sage vom Ebertod in Norddeutschland angeknüpft an geschichtliche Personen, in der Lausitz an einen Grafen Nostiz, in Westfalen an einen Förster Hackelberg, ebenso im Drömling( vgl. Grimm, Myth. II, 871 ff., Graffunder); mehrfach tritt sie auf am Nordharz und in Braun­schweig, wo sie von einem Oberförster Hackelberg, der von 1521-1581 gelebt haben soll, erzählt wird. Hackelberg ist an die Stelle von Hackelberend ( d. h. Mantelträger), der in Westfalen als wilder Jäger umzieht, getreten, und das ist nach Grimm ein altsächsicher Beiname Wodans. ,, Ein in so verschiedener Gegend auftauchender Name muß( Grimm, Myth. II, 875) mehr sein als cine historische Person, hier muß ein mythisches Wesen gemeint sein." Und so ist denn allgemeine Annahme, daß Bärens aus Hackelberend ent­standen ist, wie auch in Westfalen( bei Graffunder die Quellen) der wilde Jäger