Heft 
(1928) 37
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Das Krematorium in Wilmersdorf. ( Besichtigung am 28. Januar 1928.)

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Die Führung begann in dem unter der Versammlungshalle liegenden Untergeschoß, das zum größten Teil von den Einäscherungsräumen mit den beiden Oefen eingenommen wird. Es sind wie bei sämtlichen deutschen und auch bei fast allen anderen Krematorien Heißluft- oder Regenerativ- Oefen, die ihre Entstehung dem Umstande verdanken, daß 1874 durch Friedrich Siemens in Dresden die Möglichkeit geschaffen wurde, organische Körper in einem geschlossenen Raum unter Ausschal­tung unmittelbarer Flammeneinwirkung durch dauernd herangebrachte, hocherhitzte atmosphärische Luft zu verbrennen. In dem von S. her­gestellten Ofen erhitzt die bei der Verbrennung von Gaskoks im Heiz­raum entstandene Wärme eine feuerfeste Kammer mit vielen Gängen, den Vorwärmer oder Regenerator; in den verbesserten Oefen System Rich. Schneider, die hier und im Krematorium Gerichtstraße zur Ver­wendung kommen, ist der Vorwärmer zwecks Ersparung von Brenn­stoff etwas anders eingerichtet, als Rekuperator. Mit Beginn einer Ein­äscherung strömt durch eine Klappe dauernd atmosphärische Luft in den Rekuperator, erhitzt sich in seinen hellrotglühenden Kanälen bis auf un­gefähr 1000 Grad Celsius und erreicht dann den benachbarten Ein­äscherungsraum, in den inzwischen durch eine Oeffnung an der gegen­überliegenden Seite die Leiche im Originalsarg eingeführt worden ist. Die heiße Luft durchzieht den Raum und verwandelt Sarg und Leichnam -wovon man sich durch eine Schauöffnung überzeugen konnte- ruhig und langsam in Asche. Eine Berührung des einzuäschernden Körpers mit dem Brennstoff und den aus ihm entstehenden Flammen kommt also nicht vor; die Einäscherung geschieht lediglich durch heiße Luft. Die feine Asche des Sarges, der Bekleidung, der mitgegebenen Blumen usw. wird durch den lebhaften Zug des Ofens weggeblasen, so daß die zurück­bleibende Menschenasche durch Hitze nicht zerstörbare mineralische Bestandteile der Knochen- keine fremden Beimischungen enthält. Sie fällt durch den Rost in den unter dem Einäscherungsraum gelegenen Aschenfallraum und auf dessen geneigtem Boden in den eisernen Aschen­sammelkasten. Nach beendeter Einäscherung wird die Asche fähr 2 kg herausgenommen und nach Kühlung auf einem Tisch in die Aschenkapsel gelegt, die sofort verlötet und mit Aufschrift versehen wird. Vertauschungen werden durch ein jedem Sarge beigegebenes unverbrenn­liches Schildchen( aus Schamott) mit fortlaufender Nummer unmöglich gemacht. Nach Reinigung des Ofens kann alsbald eine neue Verbren­nung begonnen werden, und da jede durchschnittlich etwas über eine Stunde dauert, können im allgemeinen in jeder Achtstunden- Schicht 6 Einäscherungen vorgenommen werden. Die Oefen erfüllen mit ihrer Höhe das ganze Untergeschoß, das neben ihnen in zwei übereinander­liegende Räume geteilt ist. Im unteren sahen wir die eigentliche Feuer­stätte, die Aschenentnahmestelle, den Kühltisch und Einrichtungen zum

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