Heft 
(1928) 37
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probte Männer weinen! Sie sind wohl anders als eine lärmende Gegen­wart sie haben möchte, in der politische Parteien aller Richtungen um die Liebe der Jugend buhlen, sie sind nur deutsch, und daß heißt doch wohl: ein eigener sein, anders denken als die Tagesmeinung! Stolz den Staub der Straße von sich abschütteln und die Seele vor dem eigenen Gewissen spiegelblank halten, wie die Meerflut, drin die Sonne nieder­sank. Das war das Lebensergebnis auch meines Lehrers Gustav Roethe. Sie sind deutsch, nicht politisch, nicht konfessionell! So stellt uns Kotzde auch einen der deutschesten Männer hin: Luther in der ,, Witten­bergischen Nachtigall". So schildert er uns die deutsche Seele in seinen vaterländischen Romanen. Da spart er nicht den Tadel; aber immer glüht sein Herz in Liebe, und daher reißt sein Tadel niemals ein. Dabei schafft er sich, soweit ich zu erkennen glaube, für jedes Werk einen eigenen Stil und ist auch darin deutsch. Eduard Norden hat uns in seinem schönen Buche über Tacitus' Germania aufs neue erhärtet, wie der antike Schriftsteller in überkommenen stilistischen Bahnen geht; erst die deutsche Renaissance, die wie ja auch die Gotik nichts Internationales an sich hat, sondern aus unserem Wesen entsprossen ist, schafft Einzel­persönlichkeiten. Kotzde wird in der Tat einmal in einer umfassenden Geschichte des deutschen Stils eine Stelle einnehmen. Daß ihn Freiheit von dem auszeichnet, was wir Fremdwort nennen, ist bei seiner Geistes­richtung selbstverständlich, und daß seine Werke, wenn man ihn schon einmal irgendwo einreihen will, zu den tüchtigsten der ,, Heimatliteratur" gehören und in Alexis und Fontane Vorläufer haben, braucht nur ange­deutet zu werden. Von diesen norddeutschen Großen hat er auch ge­gelernt; aber zum Bewußtsein ist ihm, nach eigenem Geständnis, sein Deutschtum erst vor dem Isenheimer Alter gekommen. So schlossen Norddeutschland und Süddeutschland in diesem Märker einen schönen und könnte es so nicht in uns allen geschehen? Kein Wunder, daß der packende Schilderer märkischer Schönheiten von einem Gemälde ergriffen wird! Hat er doch vielfach selber die Meister der Palette, vor allem wieder einen Süddeutschen, Hans Thoma, in einfühlenden Dar­stellungen zu erfassen gesucht.

Bund

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In sagenreicher Gegend, die uns Alexis lieb und vertraut gemacht hat, ist er am 1. März 1878 geboren. Es war in dem damals noch mehr verträumten Gohlitz; nicht weit davon liegt Lehnin, ragen die herrlichen Bauten vom sagenumwobenen Brandenburg empor. Aber seine Kna­benjahre und Jünglingszeit verlebte er in dem wohlhabenden Dorie Wachow, woher seine Vorfahren stammten, und wo seine Eltern sich wieder niederließen, als Wilhelm drei Jahre alt war. Uebrigens stammt auch seine Lebensgefährtin von dort. Der Ort, der zwischen dem gro­Ben havelländischen Mooren Luch und Lötz liegt, ist wie Gohlitz eine Gründung des Klosters Lehnin; Fontane erwähnt ihn in jenem wunder­vollen Preislied auf das Havelland, das er dem dritten Bande seiner ,, Wanderungen" vorangestellt hat. ,, Armut war dem Dorfe fremd, und