Heft 
(1928) 37
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samen Streifereien, und in dem prachtvollen Roman ,, Frau Harke"( 1915; 3. Aufl. 1922), worin die Havellandschaft die Heldin ist, fanden sie ihren begeisterten Nachhall; aber auch die Quitzows( im ,, Verlorenen Junker" 1923), der Große Kurfürst( im ,, Tag von Rathenow" 1908; 16. Tausend 1921) und ,, Bismarck( 1914; 3. Auflage 1923), regten dort, wo die Preu­Benwiege" stand, die Knabengemüter mächtig an. Kotzdes Gattin hatte eine Kinderfrau, die alle die oft geheimen Geschichten um Pflanzen und Tiere wußte, ebenso Sprüche und vielerlei Aberglauben. Was er ihr entlockte, schrieb er auf; leider ist es verloren gegangen und nur wenig in Abschrift im Märkischen Museum aufbewahrt, wohin es Kotzde durch Friedel gab; dieser hatte ihn zu volkskundlichen Beobachtungen angeregt.

Auf dem Lehrerseminar in Berlin, wohin er im Alter von 15 Jahren gekommen war, fesselte ihn besonders sein Deutschlehrer, Prof. Dr. Por­ger. Im Jahre 1899 wurde er als Lehrer in Berlin angestellt und ist acht Jahre im Berufe geblieben. Damals gehörte er der Universität ais Hospitant an und hörte Vorlesungen bei dem Botaniker Ascherson und und dem Geologen Wahnschaffe. Von Dichtern, die er heißhungrig in sich aufnahm, packte ihn am meisten Raabe, und die Stadt, die doch nach Fontanes zutreffenden Worten eigentlich keine Stadt für Dichter ist, regte ihn zum Schreiben an. Der Schulmeister Wackerath"( 1904; 2. Aufl. 1907), ist seine Erstlingsschrift. Aber die vielen Anregungen, die er hier empfing, lähmten sein Schaffen doch, und nachdem er 1907 aus dem Schuldienst ausgetreten war, um ganz seiner Berufung leben zu können, zog er 1909 nach Rathenow. Der Krieg führt ihn 1914 nach Belgien, wo er sich infolge eines Sturzes ein ein schweres Kopfleiden zuzog. Erst eine Operation hat ihn davon geheilt; aber es war auch der Anlaß zu seiner Uebersiedlung nach dem Süden unseres Vaterlandes, wo des Breisgaus Dome ragen und des Schwarzwalds Wipfel rauschen. Ich beabsichtige hier nicht, eine lückenlose Uebersicht über sein Schaffen zu geben. Ein wohlverdientes Blatt habe ich in seinen Lorbeer­kranz winden wollen; nach Fontane darf man das tun, aber man soll den Kranz einem nicht um die Ohren schlagen. Auch nicht alle seine vaterländischen Romane will ich aufzählen, die Stoffe vom Rhein( ,, Die Pilgerin" 1918; 2. Aufl. 1922), über Thüringen( ,, Wolfram" 1920; 2. Aufl. 1922), bis zur ,, Burg im Osten"( 1925) umfassen. Was man auch gegen den geschichtlichen Roman ins Feld geführt hat: neben denen von Alexis werden, um nur von unserer Heimat zu reden, die von Wilhelm Kotzde in Ehren bestehen, und er hat von neuem ihre Daseinsberechtigung auch im Kampfe gegen Schund und Schmutz bewiesen. Und in diesem Sinne erhoffen wir noch weitere Jahrzehnte fruchtbaren und erfolgreichen Schaffens von der zweiten Lebenshälfte des treuen deutschen Mannes. Heil!

Allen, die seiner gedachten, dankt er mit den folgenden Versen, die er mir schickte: