Heft 
(1917) 25
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Palkenberg in der Mark.

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Größe von 30 zu 23 Zentimeter geklebt und machten so die Runde durch das Dorf. Auch der von Friedrich dem Großen verliehene Schulzenstock mit dem silbernen Knauf nebst der Amts-Armbinde ist noch vorhanden. Die Steuern wurden nach dem Hofzeichen eingezogen. Bekannt sind noch folgende Zeichen V Otto VII Mehl-Wurl XX Eck-Künkel ^ Mewes III Wilhelm Kiinkcl XVI Bietz (Voigt), IA Hurte. Für die einzelner^ Wirtschaften hatten die Dorfleute auch besondere Bezeichnungen, die auf die Lagt des Gehöftes, Beschäftigung des Besitzers usw. zugeschnitten waren. So gab es einen Eck-Wolff und Eck-Künkel, einen Brod-Wolff und Mehl-Wurl, einen Schultc-Wurl und Geiz-Wurl, einen Schulze-Mewes, Pastor-Mewes, Schlächter-Mewes und Zicken-Mewes u. a. m.

Zwei Sagen aus Falkenberg.

Bei Falkenberg soll sich noch bis vor kurzem auf dem Friedhof ein weißes Kalb mit großen feurigen Augen gezeigt haben. Wie eine alte Falkenbcrgerin erzählte, habe es ihr verstorbener Mann auch einmal ge­sehen, als er noch am Abend über den Friedhof gegangen sei. Ein früherer Schlächter in Broichsdorf, der zu Lebzeiten ein sehr brutaler und grausamer Mensch gewesen war, soll in seinem Grabe keine Ruhe finden können und zur Strafe seiner Missetaten in dieser Gestalt noch immer umherspuken müssen.

Die Frau eines Bauern in Falkenberg (Mark) fühlte einst in einer Nacht ihre schwere Stunde herannahen. Sie weckte ihren Mann, und dieser mußte aus seinem Bett heraus, um eine weise Frau herbetzuholen. Sein Weg führte ihn am Kirchhof vorüber. Es war gerade um die Mitternachts­stunde. Mondschein schimmerte blaß über all den stillen Hügeln mit ihren Kreuzen und Steinen. Der Mann beschleunigte seine Schritte, da ihm die Nähe des Friedhofs um diese Stunde unheimlich war. Plötzlich sah er etwa 20 Schritte vor sich ein Kind im weißen Hemdchen gehen. Als er sein an­fängliches Grauen etwas überwunden hatte und näher hinzuschauen wagte, entdeckte er, daß das Kind, ein vielleicht achtjähriger Knabe, Klumpfüße hatte. Der Kleine wandte sich nun nach dem Manne um und sah ihn mit einem unendlich traurigen und zugleich zutraulichen Lächeln an. Dann ver­schwand die Erscheinung, die von einem eigentümlich phosphorartigen Glanz umflossen war, hinter der Friedhofsmauer.

Der Knabe aber, der dem Bauern in jener Nacht geboren wurde, hatte auch Klumpfüße. Er ist die kurze Zeit seines Lebens immer siech und krank gewesen, und starb mit acht Jahren in derselben Nacht, in der er einst geboren war, und sein Vater jene Erscheinung gehabt hatte.