Heft 
(1917) 25
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11. (5. ordentliche) Versammlung des XXIV. Vereinsjahres.

uns öfters in seinem Stammlokal beobachtet hat. Reflektanten wollen sich wegen Bezugs des wertvollen Kunstblatts mit dem Künstler selbst in Verbindung setzen.

Vor der Tagesordnung besprach u. M. Herr Professor Robert Mielke eine illustrierte Schrift von Herrn Regierungsbaumeister Wal­demar Kuhn:Kleinsiedlungen aus Friederizianischer Zeit: (Dissertation zur Erlangung der Würde eines Doktor-Ingenieurs von der K. Technischen Hochschule Danzig. Berlin 1915, Wilhelm Ernst & Sohn).

Herr Mielke berichtete wie folgt:

Die vorliegende Schrift, die als Sonderausgabe von dem genannten Verlage zu beziehen ist, erörtert auf Grund archivalischer Quellen und örtlicher Aufnahmen eine wichtige Siedlungsfrage. Sehr verbreitet ist die Annahme, daß ein Dorf möglichst unregelmäßig, malerisch angelegt werden müsse. Das trifft aber nur für einen (wahrscheinlich den kleineren) Teil der deutschen Dörfer zu, wenn auch die ursprüngliche Regelmäßigkeit durch spätere Ereignisse vielfach aufgehoben wurde. Mindestens ist das Bestreben nach regelmäßiger Aufteilung der Siedlungs­fläche schon seit der Karolingerzeit nachweisbar. Das 18. Jahrhundert, das in dem Städtebau regelmäßige Anlagen bevorzugte, hat solche Grundsätze auch bei dem Dorfbau in Anwendung gebracht. Friedrich Wilhelm I. und besonders Friedrich II. sind hier vorbildlich gewesen; sie haben Dorfsiedlungen angelegt, die noch heute lehrreich sind) Von brandenburgischen Dörfern führt der z. Z. im Felde stehende Verfasser an: Dannenreich, Müggelheim, Schöneberg, Königshorst, Mangelshorst, Deutschhof, Giesenhorst, Siewersdorf, Neu-Lietzegöricke, Neu-Barnim, Neu-Lewin, Neu-Trebbin, Neu-Rüdnitz, Düringshofen, Zinna, Nowawes, Gosen, Friedrichshagen, Marienwerder, Philippstal, Kietz bei Kiistrin, Neu-Zittau, Schönwalde. Die Übereinstimmung in dem System, die auch bei den zahlreichen Aufnahmen ländlicher Gehöfte wiederkehrt, zeigt eine strenge Folgerichtigkeit, wenn sie auch hier und da durch die Natur des Geländes eingeschränkt wurde. Die durch viele Abbildungen unterstützten Ausführungen werden wohl in der Gegenwart eine gewisse Bedeutung gewinnen, da in weiten Gebieten neue Dörfer erstehen und ältere wieder aufgebaut werden müssen. Die Schrift ist auch für die Siedlungsforschung umso fruchtbarer, als außer den Beispielen regel­mäßiger Dorfanlagen, die ich in der Sonderausstellung über das deutsche Dorf auf der Leipziger Internationalen Baufach-Ausstellung 1913 zur Darstellung gebracht habe, bisher kaum etwas über regelmäßige Dorf­anlagen veröffentlicht worden ist. Sie ergänzt zudem das von J. Siedler unlängst herausgegebene große Werk über den mittelalterlichen Städte­bau Brandenburgs in wünschenswerter Weise.