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1. (1. außerordentliche) Versammlung des XXV. Vereinsjahres.
preußischen Monarchie. Nach dem Tode Friedrichs I. verfiel jedoch die Pracht des Schlosses von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Ein Prunkstück naclr dem andern wanderte hinaus, bis das Gebäude 1802 für 12000 Taler an den Fabrikanten Dr. Hempel verkauft wurde, der in ihm eine Kattunweberei anlegte, die aber infolge des Unglückskrieges von 1806—07 einging. 1816 entstand in ihm ein chemische Fabrik, die den letzten Rest alter Pracht vernichtete. Als die Fabrik 1848 nach der Mühlenstraße verlegt wurde, glich das Schloß einer Ruine. Nach der Grundsteinlegung zum Denkmal der Kur^ fürstin Luise Henriette im Jahre 1850 fand in einem noch einigermaßen erhaltenen Raume des Schlosses ■ ein Festmahl statt. Bei dieser Gelegenheit bestimmte der König Friedrich Wilhelm IV., daß das Schloß zur „Bildungsstätte preußischer Jugend“, zum Lehrerseminar eingerichtet werden und daß sechs Zimmer im Parkflügel, darunter das Porzellankabinett und das Sterbezimmer des Prinzen August Wilhelm ("f 1758), für alle Zeiten unberührt bleiben sollten. Die Eröffnung des Seminars erfolgte am 15. Oktober 1861.
Die Besichtigung des Schlosses erstreckte sich hauptsächlich auf die sechs „Königszimmer“, unter denen das Sterbezimmer des Prinzen August Wilhelm, „nicht viel größer als ein Himmelbett“, und das Porzellankabinett besonders interessierten. Allgemein bewundert wurde die prächtige Decke des letzteren lund das reizende Deckengemälde, das wahrscheinlich die Königin Sophie Charlotte als Sammlerin von kostbarem chinesischen Porzellan darstellt.
Nachdem noch der Luisenplatz mit dem schönen Denkmal der Kurfürstin Luise Henriette von F. W. Wolff in Augenschein genommen, lenkte die Brandenburgia ihre Schritte durch die baumgeschmückte Bernauer Straße, Königsallee, Bismarck- und Seestraße zur Strandhalle am Lehnitzsee. Während der Kaffeepause hielt Herr Lehrer Rehberg einen eingehenden Vortrag über die geschichtliche Entwicklung Oranienburgs und das gegenwärtige Stadtbild und verteilte Exemplare des „Oranienburger General-Anzeiger mit dem von ihm zur Wanderfahrt der „Brandenburgia“ verfaßten Artikel „Wostand die Leiche der Königin Luise in der Nacht vom 26. zum 27. Juli 1810? und Sonderabdrücke des Festaufsatzes im „Oranienburger Tageblatt“: „Naturdenkmäler unserer Heimat“. Herr Geheimrat Friedei dankte den Herren Rehberg und Westphal mit herzlichen Worten.