Heft 
(1917) 25
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2. (1. ordentliche) Versammlung des XXV. Vereinsjahres.

seuni zwecks gelegentlichen Abdrucks, sofern solchen die milit. Zensur nicht beanstandet, übermittelt werden.

U. M. Herr Lehrer M. Rehberg teilt zur Ergänzung des Berichts über unsere Wanderfahrt nach Oranienburg am 16. noch folgende Nachricht mit:

Wo stand die Leiche der Königin Luise in der Nacht vom 26. zum

27. Juli 1910?

Vor kurzem brachten die Monatsblätter derBrandenburgia (1914, Oktober Dezember) die Mitteilung, daß die Leiche der Königin Luise, nachdem sie in der Nacht vom 25. zum 26. Juli auf dem Luisenplatz in Gran­see gestanden, in der darauf folgenden Nacht in einer Gutsscheune auf dem Wedding in Berlin aufgebahrt worden sei. Leider sind die in Frage kommen­den Akten zurzeit nicht aufzufinden. Im Widerspruch zu dieser Notiz stehen die Aufzeichnungen unseres damaligen Bürgermeisters Becker. Er schreibt:

,,lm Anfänge des Juli dieses Jahres (1810) reiste unsere geliebte Königin Luise nach ihrer zu Weihnachten vorigen Jahres erfolgten Zurückkunft in, die Residenz unserer Könige, woraus der jetzt regierende König durch die Franzoser beinahe drei Jahre lang vertrieben war, zum ersten Male zum Be­such zu ihrem Vater, dem Herzoge von Mecklenburg-Strelitz, hier durch nach Strelitz und wurde, da sie daselbst ihre irdische Laufbahn vollendet, als Leiche am 26. und 27. Juli im solennen Aufzuge hier durchgeführet. Sie wurde von ihrem Bruder, dem Prinzen Carl von Mecklenburg, der Oberhof­meisterin Gräfin von Voß und von den großen Hofhargen, sowie von einer Eskadron Garde du Corps, die zu ihrer Abholung bis an die Landesgrenze geschickt war, begleitet. Es war allhier auf dem Schloßplatze (Luisenplatz. D. Verf.) ein in- und auswendig mit schwarzem Tuche beschlagenes Trauer­haus von Brettern errichtet, um die Leiche in der Nacht vom 26. zum 27. Juli aufzunehmen. In diesem Hause waren zwei Abteilungen, in der einen stand der Leichenwagen mit der königlichen Leiche, und in der anderen hielten zwei Hofdamen und zwei Kammerherren die Wache. Vor dem Trauerhause, da, wo der Eingang zur Leiche war, stand als Ehrenwache die hiesige Bürger- Kompagnie mit ihrer Fahne, und auf der anderen Seite vor dem Wachzimmer war die Garde du Corps aufgestellt. Bei Ankunft der Leiche an der Stadt­grenze wurde sie vom Magistrate und der Stadtverordneten-Versammlung empfangen, die sich an den dabei schon befindlichen Zug, den die Deputatio­nen der Königl. Regierung und der Kreisbehörden ausmachten, anschlossen und so der Leiche bis zum Trauerhause folgten, auch am anderen Morgen dieselbe wieder bis zur Stadtgrenze begleiteten.

Aus dem vorstehenden Bericht Beckers geht hervor, daß die Leiche der Königin Luise in der Nacht vom 26. zum 27. Juli 1810 auf dem Luisenplatze unserer Stadt gestanden hat. Die Aufzeichnungen sind zwar nicht gleich­zeitig, sondern erst im Jahre 1817 gemacht worden und zwaraus den vor­handenen schriftlichen Notizen und aus dem Gedächtnis, aber die Anschau-