Märkische Wassergeister.
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lang am Leben und „frisch“ erhalten. Aber er „hatte es dem Kinde doch angetan“, denn nach dessen Wiederauffindung und Rettung durch die Angehörigen wurde es krank und starb bald. „Es sehnte sich immer wieder zurück nach dem See und dem Manne, der ihm so schönes Essen gebracht“ (51). Daß der Wassermann als verwunschener Mensch betrachtet wird, erzählt man im Havellande (57), während man die Sage von den verwunschenen Prinzessinnen, die ihr Leben als Nixen fristen,- öfter hört. Das leitet uns zu den weiblichen Wassergeistern über.
Im Teufelssee im Ruppiner Lande steigt eine „arge Hexe blutrot aus dem Wasser“, tötet den am Ufer sitzenden einsamen Angler oder zieht ihn mit sich hinab in die grausige Tiefe (49). An der Brücke beim Dorfe Strad cw im Calauer Kreise kommt eine Frau aus dem Wasser, die hat immer den Leuten eine blutrote Hand hingehalten. An einem Fließ in der Gegend vor Müschen (Krs. Cottbus) saß immer aut einem Brückensteg eine Frau, die kämmte sich am Mittag und Abend ihr langes Haar. Nach Sonnenuntergang ließ sie keinen Fischer vorbei, dann hat sie jeden mit ins Wasser genommen (Schulenburg, Brandenburg. Landeskunde III. Band, S. 176). Die Nixen sind die im Lande zurückgebliebenen Töchter eines einstigen großen Seekönigs (20). Jm Spreewalde und im Scharmützelsee (33) zeigten sie sich „wie kleine Kinder, immer rot angckleidet mit grünen Mützen (Schulenburg, Wendisches Volkstum); im Gubener Kreis hat auch der Wassermann eine rote Jacke, aber mit roter Zipfelmütze, an (10), im Kreise Cottbus eine buntstreifige Mütze (29). Rot ist überhaupt die Kleidung des Wassermanns (1). Jene, die „Seejungfern“ mit „eigenen Augen“ sahen, geben verschiedene Beschreibungen. Oben Weib, ist sie unten ganz einem Fisch ähnlich (2, 4). Von ihrem Haupt wallt langes, tiefschwarzes, manchmal auch gelbes (6) oder goldblondes (52) Lockenhaar herab, in dem sich oft die Fische fangen. Zuweilen sehen Sonntagskinder sie auch als weiße Gestalt (5). Im See hat sie ein schönes Schloß (4), das sie entweder als Königin oder Prinzessin bewohnt. Sie hat sogar eine prächtige Glaskutsche mit vier Schimmeln bespannt (61). Trotz all der Pracht, die es um sich hat, sehnt sich das Seeweibchen aber doch nach der sonnigen Erde zurück; seine Erlösung kann indes nur alle hundert Jahre vor sich gehen. Im Dorfsee zu Henzendorf (Krs. Guben) wohnt in einem verwünschten Schloß eine Wasserjungfer, die alle hundert Jahre aus der Tiefe aufsteigt. Daß die Nixen schön singen, überhaupt für Musik außerordentlich empfänglich sind, wird übereinstimmend aus allen Teilen der Mark berichtet (4, 55). Jm Deetzer- see an der Havel hielt sich eine Seejungfer auf, deren wundervollen Gesang man oft hörte. Im Blumenthalsee (Oberbarnim) kommt reine Sphärenmusik aus einem auf dem See schwimmenden Koffer (43). Die Zutraulichkeit der Nixe ist oft beobachtet worden und ihrem Liebhaber am Schwielow- see gab sie sogar als Schutz einen Zauberschuppenpanzer (56). Manchmal