Märkische Wassergeister.
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herangezogen und von dem großen Gott und Herrn der Welt begünstigt, gewannen sie dem Wasser fort und fort Land ab. Schließlich ward der Seekönig von den Menschen derartig bedrängt, daß er verzweiflungsvoll sich gänzlich zu entfernen beschloß. Er gedachte, in seinen Untergang die Menschen mithineinzureißen, indem er sie durch sein Fortgehen völlig aufs Trockene setzte: dann würden sie verschmachten müssen. So wühlte und brach er sich über das Blacbfeld hin einen Ausweg mitten durch die Werke und Anlagen der Menschen hindurch und stürzte in einer Gewitternacht bei dem Lager seiner Gegner, der späteren Stadt Königsberg, vorbei nach dem Schoße des großen Wassers, d. i. dem Odertale zu, suchte und fand ein Ende im unendlichen Meere.
Nur ist cs ja eine alte Geschichte, daß wer zu hastig ist, immer allerlei vergißt. So erging es auch dem davoncilendcn Seekönige. Nur an sich und sein Enteilen denkend, ließ er seine in tiefem Schlummer liegenden Töchter, Quellnymphen, daheim zurück. Das gab ein übles Erwachen für die armen Kleinen! Dieselben wurden nämlich aus süßen Träumen durch arges Getümmel aufgeschreckt. Solches rührte daher, daß die Menschen sowohl von dem großen Lager her als auch von allen anderen Seiten in Massen herbei- strömter. und nachdem sie sich in Verwünschungen über die Zerstörungen ergangen hatten, welche der Fluchtweg des Seekönigs über einen Teil ihrer Arbeiten und Werke gebracht, sofort ratschlagten, was sie mit dem wasserfrei werdenden Neulande beginnen könnten.
„Wir dürfen vor allen Dingen nicht dulden, daß die kleinen noch an den; tiefen Stellen stehen gebliebenen Wässerchen dem großen nacheilen', hörten die kleinen Nymphen einen großen Mann mit ehrwürdigem Antlitz und grauem Haar zu den übrigen Menschen sagen. „Sonst“, fuhr derselbe fort, „wird aus diesem Seeboden kein Fruchtacker, sondern auch hier wird das Land zu einem Geschiebe von Steinen und fliegendem Sande, wie solches bei Dürren-Selchow, Sternthal und Babin der Fall. Auf, legt Wehre und Schleusen an, daß ja der Abfluß des Wassers geregelt werde und die Feuchtigkeit im Lande uns für den Bau der'Aeckcr und Wiesen und für die Mühlwerke Dienste leiste.“
Die kleinen Nixen, noch tief betrübt über ihres Vaters Verschwinden, vernahmen mit Entsetzen, wie die mitleidslosen Menschen sie nun gar noch in D'enstbarkeit zwingen wollten. Das erschien denn doch allen ein zu hartes Loos und schnell entschlossen gingen allesamt auf den Vorschlag der beiden ältesten und größten von ihnen, der Nymphen des Mantelschen und des Göllnei Sees ein: sie wollten sich in schnellem Zusammenströmen vereinigen, und die Aufmerksameit der Menschen zerteilend und verringernd, an zwei Stellen zu gleicher Zeit einen Durchbruch nach der von ihrem Vater auf seiner Flucht gebrochenen Rinne, der die Menschen den Namen Röhrike