Heft 
(1917) 25
Seite
166
Einzelbild herunterladen

166

liud oIf >Scliiniilt.

der Oberpriester.) Zwischen diesem und dem Buschiniihlensprccarm liegen waldige Hügel, die Horsten genannt. Wie von einem Kossäten aus der Gegend versichert wird, hat sein Vater hier auf den Horsten folgende Be­gebenheit miterlebt. Auf den Horsten wurde damals sehr viel Holz ge­schlagen und auf der Spree nach Lübbenau geflößt. An einem Tage nun war bis zum Abend gearbeitet worden, che die Flöße zur Abfahrt fertig wurden, darum sollte schnell vorher gegessen werden. Von den trockenen Kieferreisern und der abgcfallcnen Borke wurde ein Feuer angezündet und Kartoffeln darin geröstet. Jeder bekam sein Teil, und man fing an mit viel Appetit zu essen. Da erschien unvermutet eine große Frau in deutscher Kleidung (die Wenden trugen damals und tragen noch heute ihre National­tracht mit kurzen Röcken), es mußte also eine Frau von einer umliegenden Herrschaft sein. In der Hand hielt sie einen langen Spieß, auf den sic eine große Kröte gesteckt hatte. Sic trat an das Feuer heran und briet die Kröte über dem Feuer, daß das Fett nur so hcrunterlief. Die Frau versuchte nun, zum Erstaunen der Flößer jedem von ihnen die Kartoffeln zu beträufeln. Schließlich wurde einer so wütend, daß er rief:Werft sie doch mit einem, brennenden Scheit! Ein sechzehnjähriger Junge nahm einen brennenden Ast und hielt ihn ihr unter die Röcke. Sic sprang wütend zurück und rief in der Richtung des Byhleguhrcr SeesMilan, und cs antwortete von da­her mit vernehmlicher Stimme:Tschirrdan! Da erhob sich ein mächtiger Sturm, daß die Baumästc krachten und die Bäume sich bogen. Die Holz­fäller ließen Feuer und Essen im Stich und machten, daß sie mit ihren Flößen davonkamen. Als sie am nächsten Morgen wieder auf den Horsten arbeiten wollten, fanden sie entwurzelte Bäume, andere waren in der Mitte durchgebrochen und Zweige und Aeste waren wüst durcheinandergestreut. Nachdem haben die Leute hier aber nichts mehr von diesem Weibe gesehen oder gehört. Kreis Lübben.

35. Das spukende Schiffermädchen.

Vor vielen Jahren lag einmal ein Schiffer mit seinem Kahn m der Oder gegenüber dem Osterlingschen Gehöft bei Groß-Neuendorf vor Anker. ~j Es hatte stark greift, so daß das Kahndeck schwer zu passieren war. Die

Tochter <Jes Schiffers aber, ein wunderhübsches Mädchen, machte sich an Deck etwas zu schaffen, glitschte aus und fiel in das Wasser. Der Schiffsknecht, ihr Bräutigam, stürzte ihr nach, uin sie zu retten, doch auch' er fand den Tod in den Wellen.

Der Leichnam des schönen Mädchens wurde noch denselben Tag auf- gefunden, der Bräutigam aber nie. Nach damaliger Sitte bestattete man die Leiche der Ertrunkenen der Stelle gegenüber am Ufer, wo der Unfall ge­schehen war. Die verunglückte Braut sollte aber keine Ruhe im Grabe