Märkische Wassergeister.
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finden, und sie sucht jetzt noch, vom Damm in die Fluten spähend, oder mit einem Kahn die Oder befahrend, nachts ihren Bräutigam, den sie noch immer nicht gefunden hat.
Wenn man sic sicht, darf man nicht zu ihr sprechen, sonst wird sie plötzlich unsichtbar, hockt jedoch dem Fragenden auf, und dieser muß eine zentnerschwere Last bis zum Dorfe schleppen. So kam auch einst ein Bewohner aus Neuendorf den Damm spät abends entlang, wurde den Kahn auf der Oder gewahr und rief: Luise! (So hieß nämlich das Schiffer- mädchcn.) Da sah er plötzlich den Kahn nicht mehr, hatte aber auf den Schultern eine solche Last, daß er sich nur mühsam fortbewegen konnte. Beim ersten Hause des Dorfes angekommen, triefte er von Schweiß, stürzte halbtot nieder und verfiel in eine schwere Krankheit.
Kreis Lebus.
36. Der Wassergeist im Koblosee.
Der Koblosee oder besser Koboldscc ist in einer romantischen kleinen Niederung nördlich von Straupitz zwischen den Dörfern Straupitz, Laasow, Sackrow und Neuzauchc gelegen. Seine Größe beträgt ungefähr 10 bis 20 Ar. Es ist schwer, dieselbe genau anzugeben, weil sie häufig eindm Wechsel unterworfen ist. Fischer wollen beobachtet haben, daß der Koblosee in der Zeit des Hochwassers außerordentlich klein gewesen sein soll, während er bei trockener Zeit durch seine Größe aufgefallen sein soll. Man nimmt deshalb an, daß er einen unterirdischen Abfluß hat. Er ist ringsherum vor. Sumpf umgeben und soll stellenweise furchtbar tief sein, so daß man dort überhaupt keinen Grund finden konnte, während andere Stellen wieder seicht und flach sind. Er hat seinen Namen nach dem Kobold erhalten, einem kleinen roten Männchen mit roten Mohrübenfingern, das in ihm hausen soll. Jedesmal um die Mittagszeit soll es aus seiner feuchten Wohnung hervorkommen. Deshalb durften die Leute, die in der Nähe des Sees ihrer. Acker hatten, nie um die Mittagsstunde dort bleiben.
a) Einst pflückte eine Frau Flachs in der Nähe des Sees. Nicht weit vor ihr, im Schatten eines Baumes stand der Kinderwagen mit ihrem Kinde. Sie war so eifrig bei ihrer Arbeit, daß sie nicht daran dachte, daß es schon Mittag geworden war. Da fing das Kind plötzlich an zu schreien. Zunächst kümmerte sich die Mutter nicht darum. Als aber das Geschrei des Kindes immer heftiger wurde, blickte sie auf und sah zu ihrem Schrecken, wie sich der Kobold dem Kinderwagen näherte, um das Kind zu ergreifen. Schnell sprang sie hinzu und es gelang ihr gerade noch, das Kind zu packen. An der Stirn hatte es der Kobold mit seinen Mohrübenfingern schon berührt. Als er nun die Mutter erblickte, verschwand er wieder im See. Das- Kind aber hatte seitdem vier rote Flecke auf der Stirn, die nie wieder fortgingen. I