Heft 
(1920) 29
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BRANDENBURGIA.

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Die ehemalige Stadt Tankow.

Nach dem Urkunden- Material von Otto Heinrich Johannsen.

Die Neumark ist noch heute ziemlich reich an Städten, zumal im Ver­hältnis zu manchen Landstrichen des benachbarten Pommerns; im Mittelalter jedoch war die Zahl der Städte und Städtchen dort noch erheblich größer. Zantoch an der Netzemündung, Hochzeit an der Drage, Kürtow süd­östlich von Arnswalde und Berneuchen bei Neudamm werden als solche bezeichnet. Besonders aber gilt dies von der Soldiner Gegend. Von den dortigen Ortschaften waren damals verschiedene, die heute Dörfer sind, Städte oder doch oppida, so Schildberg, eine Meile nordwestlich von Soldin, Nienborgh( jetzt Neuenburg) anderthalb Meile östlich von Soldin und schließlich Tankow zwischen Berlinchen und Friedeberg, ungefähr dort ge­legen, wo die Kreise Soldin, Landsberg und Friedeberg zusammenstoßen.

Tankow ist jetzt ein vergessenes Dörfchen, daß dem Besucher kaum etwas Merkwürdiges bietet, und doch hat es in der Brandenburgischen Geschichte einmal eine wichtige Rolle gespielt. Es war im Jahre 1348. Der falsche Waldemar war aufgetreten und hatte im ganzen Lande zwischen Elbe und Oder schnell Anhang gefunden, selbst Berlin war zu ihm übergegangen. In denselben Tagen, als er auf dem ,, Hohen Hause" zu Berlin weilte( 20. bis 23. September), kam Markgraf Ludwig, von dem allgemeinen Abfall unter­richtet, aus Bayern an die Südgrenze der Mark, um dann in wildem Ritt durch das Land nach den noch treu gebliebenen Gebieten über der Oder zu eilen. Tankow war sein Ziel, und dorthin entbot er seine Anhänger. Von den Städten Brandenburgs war dieser Ort freilich vielleicht der kleinste und seine Befestigung nur schwach, aber trotzdem war es kein Zufall, daß er ihn zum Sammelpunkt seiner Mannen erwählte. Wohnten doch dort ringsum auf zahlreichen Schlössern die Adelsgeschlechter, auf die er am sichersten rechnen konnte, und die sich als Hauptstütze seiner Macht in der Mark bewährten, die von der Ost, von Wedel, von Uchtenhagen und von Morner. Sie sammelten sich denn auch schnell um ihn, sodaß er bald eine hinreichende Streitschar besaß, um wenigstens das Land über der Oder und das so wichtige Frank­furt verteidigen zu können.

Tankow war dem Markgrafen kein unbekannter Platz. In besseren Tagen hatte er dort oft sein Jagdhorn durch die Wälder erschallen lassen. Von der ganzen Mark hatten ja den meisten Reiz für ihn als leidenschaftlichen Weid­mann die ausgedehnten Waldungen des Landes, und vor allem liebte er das weite Forstrevier zwischen Neu- Landesberg( Landsberg a. W.), Ffredeberghe ( Friedeberg) und Nova- Berlyn( Berlinchen). Auch schon die Askanischen Markgrafen, besonders Woldemar, hatten gern in Tankow geweilt, und somit Brief" erhalten, der von ihrer Anwesenheit dort und zum ist uns mancher" Teil auch ihren Beziehungen zu dem Orte Kunde gibt.

Zuerst urkundlich erwähnt wird Tankow, damals noch als Dorf, im Jahre 1300. Am 22. Mai dieses Jahres übergab Markgraf Albrecht von