DEAT KISCe Creschichte
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geschichte schreibt, aber er soll seinen Schülern und jedwedem Kreise, in dem er lehrend weilt, lebendig darstellen können, wie es eigentlich gewesen." Und er kann von der Gründung seiner Stadt oder seines Dorfes nur dann anschaulich sprechen, wenn er einmal den Abdruck von Urkunden in der Hand gehabt hat, die von den Vorgängen bei solcher Gründung berichten, und wenn er diese Urkunden in ihren Einzelheiten zu verstehen gelernt hat. Oder nehmen wir die meisten Stadt- und Dorfgeschichten der Mark zur Hand. Mit welchem Wust von Tatsachen, die nicht dahin gehören, stopft man sie voll, die ganze brandenburgische und preußische Regentengeschichte wird vorgeführt, und an dem Quellenmaterial zur Geschichte der Stadt, des Dorfes geht man nach der einfachen Aufzählung der darin enthaltenen Tatsachen vorüber, weil man nicht gelernt hat, aus ihnen Schlüsse zu ziehen, die weitere Tatsachen der Ortsgeschichte erhellen. So unterläßt man es z, B., aus der Nennung von Bäckern und Knochenhauern unter den Ratsherren einer märkischen Stadt auf die Tatsache zu schließen, daß zu dem Zeitpunkte bereits die Zünfte und Gewerke Anteil an dem Stadtregiment gewonnen haben, von dem sie ursprünglich ausgeschlossen waren, und das sie meist erst nach sehr schweren Kämpfen dem Alleinbesitz der patrizischen Geschlechter entrissen haben.
Und gerade die Verknüpfung sämtlicher Teile der Heimatkunde, wie sie einem Institute nach Kiekebuschs Vorschlage möglich sein würde, vermag der Landesgeschichte wesentliche Förderung zu bieten. Die Vorgänge bei der Wiedereindeutschung Brandenburgs im Mittelalter lassen sich einfach nicht verstehen, ohne die Ergebnisse prähistorischer Forschung über die Verbreitung und die Tiefe slawischen Lebens in der Mark zu benutzen, und wer die Bausteine zur Geschichte märkischer Städte und Dörfer zu schichten sich bemüht, der muß wissen, was der Bau- und Kunsthistoriker über die Anlage der Kirchen, der Befestigungen und anderer Baulichkeiten zu sagen hat.
Freilich gehört an den entsprechenden Platz im Institut jemand, der nicht nur mit dem Kopfe lehrt, so unbedingt die gründlichste wissenschaftliche Vorbildung und Bewährung auch gefordert werden muß. Sein Herz muß in starkem Rhythmus für die Heimat schlagen, er muß das Land, dessen Geschichte er anderen nahebringen soll, mit ganzem Herzen lieben, so tief, so innig, wie man eben nur sein Heimatland zu lieben vermag. Er muß es kennen, es durchwandert haben nach allen Richtungen hin. Er muß die starke sittliche Note seiner Aufgabe empfinden, er muß in engster gemeinsamer Arbeit unwägbare und doch schwer wiegende Werte tief in die Seelen seiner Hörer einzupflanzen verstehen.
Dazu ist Vorbedingung, daß er lebendig darzustellen und anschaulich vorzutragen weiß, nicht in trockener, einseitiger Art, sondern mit dem Bewußtsein, daß auch der Historiker ein Stück vom Künstler in sich trägt. Die Erkenntnis muß in ihm lebendig sein, daß seine Wissenschaft wie jede andere nur ein Teil ist von der Wissensmöglichkeit im Universum, und erst der ständige Ausblick in die Weite, das dauernde Zusammengehen mit den Forschern auf anderen Gebieten der Heimatkunde vermag ihn von der Gefahr abzulenken, daß die Heimatgeschichte in Einsamkeit und damit in Oede versande. Er muß die Heimatgeschichte in den großen Strom allgemeiner deutscher Geschichte ( und zwar der politischen wie der Geistesgeschichte) einmünden lassen; denn alle Windungen, alle Wirbel, die der Fluß märkischer Geschichte