Heft 
(1920) 29
Seite
20
Einzelbild herunterladen

20

w.roppe

denn da die Provinz Brandenburg keine historische Kommission be­sitzt wie manche andere Provinz, so fiel dem Verein die Aufgabe zu, größere Werke zu veranlassen oder ihren Druck zu fördern. Erst in den letzten Jahren hat der Verein sich wieder in stärkerem Maße der mär. kischen Geschichte zugewandt.

Ueber den anderen sich über die ganze Provinz ausdehnenden Verein, die Brandenburgia", über ihre Aufgaben, ihre Leistungen und ihre Leistungsfähigkeit hat Dr. Kiekebusch an gleicher Stelle bereits das Nötige gesagt, und auch von den anderen historischen Vereinen der Provinz gilt im großen und ganzen das Gleiche: sie bieten viel Gutes, aber nicht die letzte, entscheidende Ausschöpfung jeder Gelegen­heit, die Kenntnis märkischer Geschichte weitreichend zu fördern. Was die heimatkundlichen Vereine unter ihnen leisten sollten, hat vor einiger Zeit G. Mirow in den Mitt. d. Ver. f. Heimatkunde i. Kreise Lebus zu Müncheberg Bd. 1 H. 4-5( 1914-15) S. 7 ff. mit wohl abwägenden Worten umschrieben.

So bleibt einem Institut, wie es Dr. Kiekebusch anregt, auch in geschichtlicher Ausprägung, ich möchte fast sagen, gerade in ihr, weiter Raum, ja es wartet seiner die bedeutende Aufgabe, brandenburgische Geschichte nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkte der Fürsten­Einzelne Herrscher haben und Regentengeschichte sehen zu lehren.

die Entwicklung des Landes in entscheidende Bahnen geleitet, der Gesamtkomplex der Geschichte unserer Heimat beruht darauf nicht, Die trotz aller fürstlichen Bindung bedeutungsvolle Rolle der Kirche und des Klerus, die hart und schwer dahinschreitende Geschichte unserer Städte, die nicht mit der süddeutschen oder der hansischen Städteherrlichkeit zu vergleichen ist und doch ihre eigenartigen und anregenden Schicksale hat, die Wandlnngen des Verkehrs, das Netz der Straßen, die Geschichte der Flüsse und Bäche, der Wüstungen und Waldungen, mit einem Worte die historische Geographie der Mark, ibre Bienenzucht, ihre Gewerbegeschichte, die Entwicklung ihres Bauern­standes, ihre Besiedelung, die soziale Schichtung ihrer früheren Be­wohner und vieles, vieles Andere mehr, sollte das kein lohnendes Ziel der Lehre und der Forschung sein? Man sagt vielleicht, daß die Quellen darüber nichts ausgeben. Man soll nur erst einmal genau die Quellen ansehen. Sie sind da, zum Teil schlecht gefaßt, aber kundige Hand schöpft auch aus ihnen Wasser, und eine leitende Hand vermag, auch ganz in Kiekebuschs Sinne, andere anzuweisen, sich selbst solchen Trunk und der Trunk aus heimatlicher Quelle erfrischt stets zu schöpfen, Ja, manche Quelle zur märkischen Geschichte ist noch nicht einmal gefaßt, sie ist noch nicht einmal ans Tageslicht gebracht. Seit Jahren warten wir auf die Inventarisierung der Privat- und Gemeindearchive der Mark. Sie enthalten mehr, als oberflächliche Benutzer vielleicht einmal fanden. Noch immer kennen wir nicht die Schätze der mär­kischen Privatbibliotheken, und dabei hat ein fleißiger Freund heimat­licher Geschichte erst neulich eine für die Kulturgeschichte des 17. Jahr­hunderts höchst lehrreiche Kirchenbibliothek entdeckt.

-

-

Man mache also nur die Augen endlich einmal auf, und man gebe Gelegenheit, auch anderen zum Sehen zu verhelfen. Mit Recht betont Kiekebusch, daß sich hier eine vorzügliche Gelegenheit für die Lehrer­schaft biete, selbst einzudringen in die reiche und doch ohne Führung nicht zu durchwandernde Welt der Quellen. Damit soll und kann natürlich nicht erreicht werden, daß jeder Lehrer nun künftig Heimat­