Heft 
(1921) 30
Seite
2
Einzelbild herunterladen

2

Karl Rickmann

bewohnende Wildschweinrasse zurück. Den äußeren Habitus nehmen alle drei Forscher als den eines kleinen hochfüssigen Tieres mit sehr kleinem kurzen Kopf, flacher Stirn und großen Augen an.

Bereits 1862 gelangt Rütimeyer in Untersuchung der historischen Fauna des Steinalters bis zur Gegenwart" gelegentlich der Vergleichung des Torfschweines mit rezenten Rassen zu dem Resultat, daß das Bündtnerschwein in seinem Gebiß unverkennbar mit ganz geringen Abweichungen dem Torf­Nach Nathusius ist aber das Bündtnerschwein schwein zu vergleichen sei. nichts anderes als das typisch romanische, welches nach Nathusius dem indischen sehr nahe steht. Dieser Ansicht sich anschließend( 1878) bezeichnet Rütimeyer nunmehr eine wilde indische Stammform, sus vittatus, als Ur­sprungsrasse. Eine gewisse Aehnlichkeit zwischen Torfschwein und s. sen­nariensis Fitzinger, wie sie Schütz und Hartmann( 1868) zuerst angenommen hatten, gibt Rütimeyer zu, hält jedoch letzteres nicht für eine selbständige Wildform, sondern nur für ein verwildertes Hausschwein von vittatus- Typ. Daraus folgert Wilckens( 1885), welcher sich im übrigen der Ansicht von Hartmann und Schütz hinsichtlich der Abkunft des Torfschweines an­schließt, wenn das Torfschwein in der Form mit s. sennariensis übereinstimme und dieses mit sus vittatus, dann wäre die indische Herkunft des ersteren er­wiesen, aber auch die afrikanische nicht ausgeschlossen.

Strobel, welcher schon früher Reste von s. scr. palustris in Knochenresten aus italienischen Terramareschichten gefunden hatte, kommt in seiner späteren ( 1882) Bearbeitung derselben bezüglich Abstammung des Torfschweines zu dem Resultat, daß letzteres weder ein Kreuzungsprodukt noch eine nach Europa importierte Form, sondern eine genuine Rasse darstelle, die hier schon seit dem Diluvium gelebt habe und rezent als sus ibericus noch vor­handen sei.

Damit schien die Frage nach Beschafienheit und Abkunft des Torf­schweines zu einem befriedigenden Abschluß gekommen zu sein, als Nehring ( 1884) einem ganz neuen Gesichtspunkt ins Feld führte, der zu schwer­wiegend für die Beurteilung der vorliegendenden Frage ist, als daß ihm eine weitere Ausführung versagt werden dürfte.

In einem Torfmoor bei Triebsees in Pommern wurden neben der Zeit­bestimmung dienenden prähistorischen Gegenständen auch Skeletteile von Mensch und Pferd sowie der größere Teil eines weiblichen Schweineschädels ge­funden, den Nehring, den Dimensionen nach urteilend, zunächst als zum Torfschwein gehörend betrachtete. Aus einigen Abweichungen jedoch, z. B. in der Form des Tränenbeines, welches auffallend lang und schmal, im Bau des Stirnbeines, welches flach, ohne besondere Konvexität, der Richtung der Backzahnreihen, welche mehr parallel, also dem Wildschwein ähnlicher, aus­fallen und hauptsächlich weil M 3 in seinem kräftigeren Aufbau der von Rütimeyer gefundenen Beschaffenheit nicht entspreche, will Nehring dieses Exemplar nicht zu den Torfschweinen gerechnet wissen. Er ist vielmehr der Ansicht, daß das fragliche Tier einer Rasse entstamme, welche weniger Merkmale von sus indicus, mehr dagegen von sus scrofa ferus aufweise und eine durch Verkümmerung infolge ungenügender Ernährung, ungünstigen Klimas und Inzucht entstandene Form eines primitiv domestizierten Schweines sei. Er bezeichnet diese Rasse als sus scrofa nanus.

Für die Schweine der Schweizer Pfahlbauten gibt N. zwar zu, daß eine Vermischung mit romanischen, d. h. von sus indicus abstammenden impor­tierten Formen als möglich anzunehmen sei. Er bestreitet jedoch diesen Einfluß auf die Funde von derartigen Individuen aus Norddeutschland, letztere Weitere Studien seien nichts weiter als Kümmerer von Wildschweinen.

Ө

n

I

S

1

F

na

F

el

SO

da

di