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führen Nehring zu der Ueberzeugung, daß die Erscheinungen, welche man jetzt noch bei den sogenannten ,, Parksauen" beobachten könne, auffallend zugespitzter Kopf, relativ großes Auge, flacher Rumpf, geringe Stärke der Extremitätenknochen auf die von Rütimeyer veröffentlichten Messungen ebenfalls zutreffen und das Torfschwein nicht als besondere Spezies, sondern als ein durch primitive Domestikation verkümmerter Abkömmling des gemeinen europäischen Wildschweines, in Südeuropa hier und da gekreuzt mit dem Blute asiatischer Schweine anzusehen sei.
In den sich nunmehr entspinnenden Kontroversen bleibt Rütimeyer bei seiner Ansicht, daß das Torfschwein nicht als eine Spezies, sondern als eine Kulturrasse anzusehen sei, stehen und betont, genau wie in seinen früher ( 1878) erschienenen Veröffentlichungen besonders die deutlich nachweisbare. Verwandtschaft mit asiatischen Zahm- und Wildschweinformen, von letzteren namentlich die mit sus vittatus.
Diese Ansicht Rütimeyers, welche der schon veröffentlichten N.'s ungefähr entspricht, glaubt letzterer jedoch dahin einschränken zu dürfen, es sei fraglich, wieviel Einfluß jener Beimischung von sus vittatus einzuräumen sei. Dagegen verneint Nehring nochmals für die Torfschweine aus Norddeutschland jegliche andere als allein vom Wildschwein herrührende Abstammung und hält sie durchweg für eine zwerghafte, durch primitive Tierzucht während der prähistorischen Zeit entstandene Rasse von sus scrofa domesticus, d. h. also domestizierte Abkömmlinge des europäischen Wildschweines sus scr. ferus.
Auf Grund seiner Untersuchungen an einem reichhaltigen Material aus Pfahlbauten vornehmlich der Westschweiz hält sich Otto( 1901) zur Aufstellung einer dritten, kleinen Torfschweinrasse für berechtigt, welche jedoch nicht mit dem ursprünglichen Torfschwein verwandt zu sein und mit den Resten autochthoner Rassen häufige Kreuzungen produziert zu haben scheint.
Hinsichtlich des Ursprunges der Hausschweine Dänemarks aus jüngerer Steinzeit schließt sich Winge( 1900) der Ansicht Nehrings an, welche nach ihm zwar zum Torfschweintypus zu zählen seien, im Ursprung jedoch nur eine zahme Degenerationsform des nordeuropäischen Wildschweines darstellen. Nach Rütimeyer sollte das Torfschwein von s. vittatus abstammen. Pira( 1903) weist jedoch aus der Konfiguration des Tränenbeines, verbunden mit der Beschaffenheit der unteren Eckzahnalveolen die nahe Verwandtschaft mit s. scrofa nach. Im übrigen gibt P. zu, daß in Europa auch vereinzelte stelbständig entstandene Stämme von Torfschweinen gelebt haben können, wie er denn auch dafür ein Beispiel in einer Inselform Schwedens aus der jüngeren Steinzeit gefunden zu haben glaubt und genauer beschreibt.
Es haben demnach drei Forscher neuester Zeit, nämlich Nehring, Winge und Pira, welche nur nordeuropäische, archaistische Funde beurteilen, bezüglich der Herkunft und Beschaffenheit des Torfschweines die gleiche Ansicht. Wenn sie auch eine genuine Rasse nicht gänzlich leugnen wollen, halten sie dennoch übereinstimmend das Torfschwein ursprünglich für eine domestizierte Form des typischen s. scr. ferus.
Es sei noch nachzutragen, daß Rütimeyer in dem ihm überreichlich zugetragenen Material aus Schweizer Pfahlbauten nicht nur Exemplare des nach ihm benannten Torfschweines, sondern auch die Existenz einer größeren Form des Hausschweines in jüngeren Ansiedelungen festgestellt hatte, welche er dem Wildschwein ähnlicher fand und deshalb als eine besondere Erscheinung scharf vom Torfschwein scheidet. Er bemerkt sogar die Tatsache, daß in Ansiedlungen jüngeren Zeitalters nach den dort gemachten Funden die Zahl der wildschwein ähnlichen Formen überwiegt. Die gleiche Wahr