Heft 
(1921) 30
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Karl Rickmann

nehmung nach ihm macht Otto an den Fragmenten aus Ansiedelungen der Westschweiz der La Tèneperiode.

Aus allen bisherigen Darlegungen ergibt sich, daß die Ansichten über Abstammung und Rassenmerkmale unseres Torfschweines sich die Wage hielten; solange die Streitfrage im engsten Rahmen der vergleichenden Kraniologie entschieden werden mußte, wurden zwar bemerkenswerte und zu­treffende Einzelresultate erzielt, ein klares Licht vermochte jedoch keiner der bisherigen Forscher in die Gesamtheit der einzeln gemachten Wahrnehmungen zu bringen.

Erst die Ergebnisse der Ausgrabungen am Anau- Hügel in Zentralasien und die Schlußfolgerungen, welche archäologische und ethnographische For­schungsmethode daraus gezogen haben, in Verbindung mit neuerdings ge­machten Funden in Böhmen und Norddeutschland waren imstande, das bis­herige Dunkel zu erhellen.

Fast gleichzeitig mit Pira veröffentlichte Duerst die Resultate, zu welchen er aus den eben erwähnten Ausgrabungen am Anau- Hügel, anderer­seits aus Funden prähistorischer Ansiedelungen in Böhmen und Norddeutsch­Daraus ergibt sich die über­land( Burg im Spreewald) gekommen war. raschende Tatsache, daß in beiden Fundstätten Schädel zu Tage gefördert. wnrden, welche nicht nur in der Form, sondern anch in den Massen eine auffallende Uebereinstimmung mit den Schweizer Pfahlbauschweinen, sowohl der der größeren dem Wildschwein ähnlichen als auch der eigentlichen Torf­schweinrasse aufweisen. Sogar Restbestände noch lebender Torfschweine ver­mochte Anutschin in Transkaukasien festzustellen, deren äußere Erscheinung er in Uebereinstimmung mit Anderegg als sehr klein, von schwarzer Farbe und mit stehenden Ohren schildert.

Angesichts derartiger greifbarer Argumente muß die oben beschriebene Auffassung Nehrings von der Abstammung des Torfschweines vorläufig zurück­weichen. Allerdings betont auch Duerst, daß in den jüngeren Nieder­lassungen, also etwa zur Römerzeit, die Reste von Nachkommen des Wild­schweines denen des Torfschweines fast gleichkommen, während in den ältesten Ansiedelungen letztere erheblich überwiegen. Somit-konnte Nehring, dem immerhin nur vereinzelte und dazu recht kümmerliche Reste echter Torfschweine vorgelegen hatten, mangels geeigneten Vergleichsmaterials aus unseren Landstrichen das Vorhandensein des s. scr. palustris in Norddeutch­land bestreiten, weil eben die Funde nicht alle Merkmale vollzählig auf­wiesen, welche Rütimeyer als charakteristisch für s. scr. palustris fordert. Ein prinzipieller Grund, das Vorkommen des südlichen Torfschweines in deutschen Kulturschichten bestreiten zu wollen, liegt, wenn man die Abstammungs­hypothesen ganz außer Acht läßt, durchaus nicht vor und es erscheint deshalb unpraktisch, eine Lokalform anzunehmen, die in Größe und osteologischen vollkommen Charakteren sich individuelle Differenzen ausgenommen .. Es lassen sich ja mit dem Torfschwein südlicherer Gegenden deckt.. auch Torfschaf, Torfrind und Torfhund ebenfalls in norddeutschen Kultur­schichten nachweisen.

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Wir werden also gut daran tun, uns der Auffassung hinzugeben, daß Torfschweine wie andere Haustierschläge, als längst domestizierte und durch die Domestikation stark abgeänderte Tiere auch in das zentrale Europa ein­geführt wurden, meist ehe die bodenständigen Wildschweine domestiziert wurden oder auch zum Teil in domestiziertem Zustand von näheren oder weiteren vorgeschrittenen Naturvölkern oder Horden übermittelt wurden."( Duerst.)

Ueber die ältesten Schweinerassen und besonders über das Vorkommen des Torfschweines in der Mark Brandenburg sind m. W. Veröffentlichungen

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