Heft 
(1921) 30
Seite
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Bücherschau

Zu 3. Wie ich bestrebt bin, die Wissenschaft nicht ,, Sondergut einiger Weniger" bleiben zu lassen, brauche ich hier wohl nicht auseinanderzusetzen. Besseres an die Stelle setzen." Das trifft völlig zusammen mit meinen Bemühungen.

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Zu 4. Herr Dr. Niedlich sucht einen scharfen Gegensatz zwischen meiner und seiner Tätigkeit herauszuarbeiten. Ich mache Anspruch darauf, nicht nur Kenntnisse zu vermitteln" oder mit ,, wissenschaftlichen Tatsachen zu arbeiten." Ich stelle ,, Kenntnisse" und" Tatsachen" auch in den Dienst einer Idee. Dasselbe Ziel hat die Brandenburgia." Herr Dr. Niedlich möchte die Arbeit im Dienste einer Idee nur für sich in Anspruch nehmen. Wenn unsere Gesellschaft für Heimatkunde keine höhern Ziele verfolgte, als Kenntnisse zu vermitteln", dann würde ich keine Stunde mehr für sie arbeiten. Ich rate Herrn Dr. Niedlich nochmals dringend, sich mit unseren Bestrebungen vertraut zu machen.

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Ich habe nirgends gesagt, daß die ,, Brandenburgia" das meiste seines Buches vorweggenommen habe." Dann hätte ich es nicht so empfehlen können. Ich habe Dr. N. aber zum Vorwurf gemacht, daß er das, was bis jetzt getan worden ist, nicht kennt oder nicht berücksichtigt, und davon nehme ich kein Wort zurück. Im übrigen stehe ich auf dem Standpunkte, und weiche auch jetzt noch nicht um Haaresbreite davon ab, daß die den Ideen zu Grunde liegenden Tatsachen richtig sein müssen. Schwankt der Grund, so stürzt leicht der ganze Bau zusammen. Festen Boden zu ge­winnen, das ist vornehmste Aufgabe der Wissenschaft, nicht etwa ,, Kennt­nisse zu vermitteln".

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Mit seinen letzten Ausführungen ist Dr. Niedlich bis zu einem ge­wissen Grade wenigstens im Recht. im Recht. Der Name Brandenburgia hat mir auch schon schwer auf der Seele gelegen. 1916 war ich nahe daran, eine Aenderung zu beantragen. Aus Rücksicht auf den Gründer der Gesellschaft und um jeden Mißklang zu vermeiden, hatte ich mir vorge­nommen, Ernst Friedel selber zu veranlassen, den entsprechenden Antrag zu stellen. Da ging ich ins Feld, und bei meiner Rückkehr fand ich Friedel nicht mehr unter den Lebenden. Die ia- Endung ist in der Tat übel. Aber ehe man eine alte und dank ihres Alters ehrwürdig gewordene Ueberlieferung über Bord wirft, muß man etwas Besseres an ihre Stelle setzen können. ,, Brandenburg"," Mark", Mark Brandenburg"," Berlin und die Mark", alle diese Namen liegen sehr nahe, fast alle erwecken aber auch ebenso nahe­liegende Bedenken. Der alte Name ist ein fester Begriff geworden, der Verein, Zeitschrift, jede Veranstaltung kurz und treffend bezeichnet. Jeder weiß, was gemeint ist. In schwierigen Zeiten soll man Experimente unter­lassen. Vielleicht entschließen wir uns doch einmal, wenn wir den besten Ersatz gefunden haben. Undeutsch aber sind wir auch so nicht. Wollte man von einem kerndeutschen Korps, das sich seit Jahrzehnten Teutonia" nannte, behaupten, es wäre undeutsch, wenn es jetzt diesen Namen beibehielte? Ich liebe den alten Namen mit seiner lateinischen Endung nicht; aber un­deutsch und unwürdig ist es nicht, zunächst an ihm festzuhalten. Ist der Klang fremd, das Wesen ist deutsch, und auch mit ihrem alten Namen kann die Brandenburgia sehr wohl eine Hüterin heimischer, deutscher Kultur sein. Dafür lassen Sie uns sorgen. Dann werden wir uns auch verständigen, selbst über einige Klippen hinweg. Dr. Kiekebusch.

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