Bücherschau
setzen und nicht mit einem Lächeln derlei Bücher abzutun. Und ich möchte hier geradezu fordern: Gebt solchen Büchern die wissenschaftlich haltbare Grundlage, aber lacht sie nicht aus. Was nutzt uns alle Wissenschaft, die Sondergut einiger weniger bleibt!
4. Das alles aber und hier komme ich zu der irrigen Voraussetzung, auf der Dr. Kiekebusch zu stehen scheint hat mit meinem Heimatschutz
buch und seinen Gedanken nichts zu tun, denn ich habe nie die Absicht gehabt, ein wissenschaftliches Buch zu schreiben, noch weniger eine Darstellung des altgermanischen Geschichtsbildes zu geben. Das muß ich Fachleuten überlassen. Mir kam es nicht auf Zivilisation, sondern auf Kultur an, die aber ist vom einzelnen Geschichtsbild unabhängig. Denn Kultur ist mir Einheit von Wesen und Ausdruck und Einheit des Ausdrucks in seinen Teilen.
Meine Aufgabe war zu zeigen, daß Kulturhaben u. a. auch: Kenntnis von unsrer Vorgeschichte haben heißt. Wie diese Vorgeschichte aussieht, das zu zeigen ist des Wissenschaftlers, d. h. Dr. Kiekebuschs Aufgabe, nicht die meine. Unsere Aufgabe deckt sich also nicht. Ich arbeite nicht mit den wissenschaftlichen Tatsachen wie er, sondern mit Ideen. Er als Wissenschaftler vermittelt Kenntnisse, ich gehe weiter und will zeigen, daß Kenntnisse an sich tot sind und zu lebendigem Leben werden müssen. Meine Arbeit ergänzt also die seine. Daher ist sie auch weit umfassender, weil sie nicht nur sein Gebiet und das der Brandenburgia in sich begreift, sondern alle Gebiete. Denn Kultur ist eine Einheit. Und darum kann ich auch nicht zugeben, daß die Arbeit der Brandenburgia das meiste meines Buches vorweggenommen hat. Denn das Ziel der Brandenburgia ist, Kenntnisse vermitteln. Mein Ziel aber: einheitliche lebendige Gegenwartskultur zu schaffen. Und so spielt denn der Inhalt von Kenntnissen in meinem Buch eine ganz untergeordnete Rolle und gerade die Hauptkapitel meines Buches Persönlichkeitskultur und Familienkultur haben mit wissenschaftlichen Kenntnissen gar nichts zu tun. Ja ich möchte geradezu sagen, trotz ihrer wissenschaftlichen Verdienste ist auch die Brandenburgia( wie zugegeben ich selbst) der beste Beweis, wie nötig mein Buch ist; denn habe ich einen -in meinem eigenen Sinne- Mangel an Kultur in meiner lückenhaften Kenntnis der germanischen Vorgeschichte gezeigt, so zeigt die Brandenburgia denselben Mangel, wenn sie ihren ehrlich- deutschen Namen mit der fremden Endung„ ziert". Also wir haben mein Buch beide Lötig und wollen uns fortan beide in seinem Sinne bessern und an einer zukünftigen lebendigen deutschen Kultur fortan zusammen arbeiten, gelt?! Dr. Niedlich.
Ich habe dieses Wort„ In eigener Sache" unverkürzt und ohne Bedenken aufgenommen. Durch Gegenrede kann die Lage nur geklärt werden, noch dazu, wenn der Widerspruch in vornehmer, von jeder persönlichen Spitze freien Form erfolgt. Ueber die Ausführungen selber habe ich zu bemerken:
Zu 2. Daß mich Herr Dr. Niedlich nicht zu den von ihm so bös angegriffenen Zunftgelehrten" rechnen will, ist sehr freundlich von ihm. Von meinem Kampf gegen die Zunft ist mir aber fast nichts bekannt. Wir haben da gerade recht gute Ergebnisse zu verzeichnen. Auf keinen Fall wollen wir einen Gegensatz anerkennon zwischen Fachgelehrten an Universitäten und denen an Museen, Bibliotheken, Archiven oder ähnlichen Anstalten. Ueber die Gleichwertigkeit all dieser Arbeitsstellen herrscht wohl kaum noch ein Zweifel. Es kommt ganz auf den Mann an, nicht auf den Platz, an dem
er steht.