Heft 
(1921) 30
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Bücherschau

wie weit die genannten Formen über, den Kreis Teltow hinausgehen. Bei dem zahlreichen Vorkommen ganz gleich gebildeter Formen im Englischen möchte ich doch an ursprünglich weitere Verbreitung glauben. Ich bitte um Mitteilung aus allen Ortschaften, in denen die betreffenden Wörter in Ge­brauch sind oder waren.

Herr Dr. Teuchert, dem ich diese Erörterung vor der Drucklegung mitteilte, schreibt dazu: Inzwischen habe ich ,, ster" im Regierungsbezirk Aurich und an der holländischen Grenze aufgefunden; holländische Einwan­derung braucht darum nicht aus dieser sprachlichen Erscheinung geschlossen zu werden." Dr. Kiekebusch.

Bücherschau.

In eigener Sache.( Dr. Niedlich: ,, Deutscher Heimatschutz". Vgl. Bran­denburgia XXX, S. 51.)

Ein Urteil Dr. Kiekebuschs ist mir zu gewichtig, um darüber fortzu­sehen. Mein Heimatschutzbuch mir zu wert, um nicht auf die Ausstellungen, die Dr. Kiekebusch an ihm macht, einzugehen. Darum sei mir eine kurze Erwiderung gestattet, schon darum, weil mir manches in dem Urteil auf falschen Voraussetzungen zu beruhen scheint, die ich gern behoben wissen möchte, um ganz mit Dr. Kiekebusch einig zu sein. An mir soll's jeden­falls nicht fehlen.

1. Daß das geschichtliche Bild der altgermanischen Kultur, das mir vorschwebt, unzulänglich ist, muß ich dem Fachmann glauben. Ein Wunder ist es nicht. Seit Kriegsbeginn habe ich mich nicht mehr unterrichten können, und als ich 1919 zurückkehrte, galt meine ganze Arbeit Gefilden, die mir noch näher lagen. Vor dem Kriege aber stand gerade auf dem Gebiet germanischer Vorzeitforschung überall Meinung gegen Meinung. Und auf den Universitäten von Berlin vielleicht abgesehen hörte man von derlei Dingen überhaupt nicht, und zumal im germanischen Fach schon gar nicht. Wenn also das Bild, das ich zwischen den Zeilen voraussetzte, schief - ist, so da hat Dr. Kiekebusch völlig recht zeigt das nur doppelt, wie notwendig mein Heimatschutzbuch ist. Die Feststellung soll mir jeden­falls ein Anlaß sein, nachzuholen.

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2. Wenn Dr. Kiekebusch eine gereizte Stimmung gegen die Zunft-, gelehrten" feststellt, so hat er recht. Aber er mißversteht mich, wenn er bei dem Wort Zunftgelehrten" etwa sich und seines gleichen getroffen fühlt. Ganz im Gegenteil: Das wollte ich kennzeichnen, daß die Zunft", d. h. die, die sich von altersher als die berufensten fühlen, die Universitätslehrer, völlig versagen, wo Neues und vor allem Deutsches auftaucht. So hat die Zunft einen Schopenhauer, Lamprecht und Helmolt totgeschwiegen. Solange es möglich war, wurde jeder, des Neues brachte, fast möchte ich sagen, ge­ächtet. Und so war's auch hier, oder hat nicht gerade Dr. Kiekebusch einen jahrelangen Kampf führen müssen, bis er sich die Aufmerksamkeit der Zunft erzwang? Also nicht in die Zunftgelehrten schon in dem Namen wollte ich den Zopf" spüren lassen sondern gegen die Zunftgelehrten wollte ich ihn rechnen.

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3. Ich weiß wohl zwischen unwissenschaftlichen und wissenschaftlichen Darstellungen germanischer Vorzeit zu unterscheiden. Notwendig erscheint mir aber, daß die wissenschaftlichen Ergebnisse in allgemein verständlicher Form allen zugänglich gemacht werden. Wo sich Versuche dazu als verfehlt erweisen, hat m. E. die Wissenschaft die Pflicht, Besseres an die Stelle zu

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