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Prof. Dr. F. Solger
Brandungswirkungen hervorrufen können, meist allerdings durch die Schilfzone des Ufers gehindert werden. Auch das Eis spielt heute bei uns keine nennenswerte geologische Rolle, und so sind wir eigentlich ganz auf die mittelbare oder unmittelbare Wirkung des Wassers hingewiesen. Auch sie ist bei uns schwach im Ver gleich mit Gebirgsgegenden. Selten finden wir einen Fluß, der sein Ufer merklich anschneidet, nur in besonders hügeligen Ge genden( Fläming, Odertalrand) sehen wir Regenbäche noch heute Talfurchen einnagen. Ausgedehnter sind die Flächen besonders an der unteren Elbe, auf denen toniger Flußschlick bei Ueberschwemmungen abgelagert wird. Bei allen diesen Vorgängen sehen wir die Pflanzenwelt entscheidend mitwirken. Die Wiesengräser der Flußaue halten den Hochwasserschlick fest, die Gras- und Moosdecke des Waldes hindert den Regen, den Boden fortzuschwemmen, und wo wir jugendliche Talformen entstehen sehen, ist das sicherste Zeichen ihrer Jugendlichkeit die Zer störung der Pflanzendecke an den Rändern der Talschlucht. Die Kraft des Wassers und das von den milder strömenden Vorräten desselben Wassers. doch erst erst ermöglichte Pflanzenleben be kämpfen sich an solchen Stellen, und wo das eine siegt, ist für das andere kein Platz. Das gilt ebenso von den Landschaftsformen, in denen das Pflanzenleben im Uebergewicht ist, wie von verlandenden Seen, in denen das Wasser Schritt für Schritt vom Pflanzenleben zurückgedrängt wird. Die Moorbildungen, die aus unseren flacheren Seen allmählich Wiesen machen, sind wohl die stärksten landschaftlichen Veränderungen, die in der märkischen Natur heutzutage vor sich gehen. Sie können erst begonnen haben, als nach der Eiszeit der eisfrei gewordene Boden zu be wachsen begann. Die ganze Zeit, die seitdem verflossen ist, be zeichne ich als Humuszeit, um zum Ausdruck zu bringen, daß die Humusbildung, sowohl in den Mooren als auch in trockneren Höhenböden, der wichtigste geologische Vorgang in diesem Zeitabschnitte ist.
Ihm ging eine Zeit voraus, in der das Land schon seine eiszeitliche Gletscherdecke verloren hatte, aber noch nicht mit einem Pflanzenkleide bedeckt war. Humuszeit am schärfsten dadurch, daß der kahle Boden damals Sie unterscheidet sich von der den Wirkungen des Windes preisgegeben war, und auch das Wasser wirkte auf ihnen anders als später auf dem bewachsenen Boden. Ich habe an anderen Stellen") dargetan, daß dies die Zeit war, in denen unsere binnenländischen Dünenzüge entstanedn sein müssen, und so nenne ich denn die Zeit zunächst vor der Bewachsung des märkischen Bodens nach der Eiszeit die Dünen zeit. Dünenbildungen haben sich sicher schon unmittelbar an das Verschwinden des Eises angeschlossen; aber es empfiehlt sich, wie das auch in der geologischen Literatur zu geschehen pflegt, hinter die Zeit der letzten Eisbedeckung noch den Begriff der Abschmelzzeit einzuschieben. Ich verstehe darunter die Zeit von dem schrittweisen Eisfreiwerden unseres Bodens bis
1) Vgl. Geologie der Dünen im Dünenbuch". Stuttgart, Enke, 1910. Einwände dagegen habe ich mehrfach, zuletzt in der Ztschr. d. dtsch. geol. Ges. Bd. 72, 1920, Mon.- Ber. S. 168 ff.( Beobachtungen über Flugsandbildungen) zurückgewiesen.