Heft 
(1921) 30
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Junge und alte Landschaftsformen in der Mark

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als Ergebnisse solcher Bachwirkungen mit großer Sicherheit an­sprechen müssen, die Wallberge oder Oser, ganz anders aussehen. Ich darf noch einmal an meinen Vortrag aus dem Jahre 1913 er innern, in dem ich Ausfurchungen des Bodens durch die darüber hingehenden Eisströmungen als Grund für die Entstehung ge­wisser Seenketten, besonders der Spree- und Havelseen, ange sprochen hatte. Inzwischen hat Olbricht) unabhängig davon einen ähnlichen Gedanken für die Förden von Schleswig- Holstein ausgesprochen und die so durch das Eis bestimmten Formen als Exarationslandschaft bezeichnet. So betrachtet, müßte das Eis, das wir am Ende der Vereisung im Berliner Haupttal von Ost nach West vordringen sahen, vorher eine Zeitlang eine Strömung von Nord nach Süd besessen haben. Diese zunächst etwas kühn er­scheinende Deutung wird uns durch den glücklichen Zufall be stätigt, daß sich auf den Schichtenköpfen des Rüdersdorfer Muschelkalkes Schrammungsrichtungen sowohl von einer älteren Strömung von N nach S als auch von einer jüngeren aus OzS nach WzN gefunden haben. Ich habe in dem oben erwähnten Vortrage auch schon eine Erklärung für diese Umlenkung der Gletscherströmung im Laufe der letzten Vereisung zu geben ver­sucht, indem ich ausging von der auch durch die obigen Betrach tungen belegten Abhängigkeit der Eisströmungen von den Höhen­verhältnissen des Geländes. In kürzester Form ist meine Erklärung die folgende:

Der Pommersche Landrücken teilte das von der Ostsee her: anrückende Eis in zwei Hauptströme, von denen der eine durch die Pforte an der heutigen Ödermündung nach Süden vordrang, der andere durch das untere Weichseltal. Nennen wir sie kurz den Oder- Eisstrom und den Weichsel- Eisstrom, so kam nach Brandenburg der erste früher als der zweite. Er dehnte sich Die Höhen bei strahlenförmig von der Odermündung her aus. Freienwalde teilten ihn in einen Havelgletscher und einen öst lichen Ast. Auch als das Eis beim weiteren Vordringen jene Höhen überschritt, warfen diese eine Art Strömungsschatten, in Deshalb haben sich im SW dem die Erosion schwächer war. jener Höhen die Hochflächen des Barnim und Teltow erhalten. Beiderseits von ihnen aber sehen wir die Seenketten des Havel systems auf der einen, des Spree- und Dahmesystems auf der andern Seite gleichsam als eine Art Riesenschrammung des Bodens entwickelt. Als das Eis bis an den Lausitzer Grenzwall und den Fläming vorgedrungen war, staute es sich an diesem. Inzwischen war der immer weiter ausgedehnte Weichsel- Eisstrom mit dem Oder- Eisstrom zu einer zusammenhängenden Eisdecke zusammengewachsen, und die Schranke des Flämings und der sich an ihn anschließenden Höhen zwang diese Eismasse zum Abfluß nach WNW. Das ergab die jüngere Eisströmung, die dann natur­gemäß während der Zeit des Abtauens herrschte. Sobald frei­lich die abtauende Eisdecke den Fläming nicht mehr erreichte, änderten sich die Strömungen etwas. Im Osten des Barnim und Teltow blieb die Strömung im Sinne des Berliner Haupttals er­halten. Wir können da von einem Spreegletscher sprechen.

5) Olbricht, Die Exarationslandschaft. Geolog. Rundschau 1910, S. 59.