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Prof. Dr. F. Solger
eine Flußbettablagerung, dann müßte eine so gewaltige Aufschüttung die quer zu jenem Urstrom liegende Seenkette mit zu geschüttet haben. Eine solche Zuschüttung ist aber nicht innerhalb der ganzen Breite des Tales erfolgt, sondern nur zwischen dem Dämeritz- See und dem Spreebordkrug in einem Gelände, das tiefer als der allgemeine Talboden in der Höhe der heutigen Spreeaue liegt und durch die Verteilung der Wasserläufe in ihnen deutlich erkennen läßt, daß diese Zuschüttung von einem Fluß aus erfolgt ist, der innerhalb der oben geschilderten Spreeaue floẞ, aiso entweder die heutige Spree war oder die von mir angenom mene Urspree.
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Was aber konnte den Boden des Haupttales geschaffen haben, wenn es kein Fluß war? Ich antworte: Das Eis. Ich sehe in dem Haupttal mit seinen meist, aber nicht überall, scharf ausgearbeiteten Rändern das Trog tal einer in der letzten Phase der Vereisung von Osten vorgedrungenen Gletscherzunge, und das dünne Geschiebepflaster, das sich in den oberen Schichten des..Talsandes" vielfach findet und am Südrand der Kranichberge bis auf die Höhe des Barnim hinaufreiht, betrachte ich als Ablagerung dieser Gletscherzunge, bei der ich die Frage offen lasse, ob sie während eines größeren Zeitraums der letzten Vereisung oder, wie ich eher glaube, nur während einer kurzen Schwankung innerhalb der Abschmelzzeit hier gelegen hat. Der Südabfall der Kranichberge ist dann teils Erosionsufer dieser Zunge, teils Aufschüttungsform an deren Rande( Seitenmoräne). In Uebereinstimmung mit dieser Auffassung lassen sich am Nordrande des Müggelsees und an seinem Südwestrande Spuren von Schmelzwasserläufen nachweisen, aus denen man schließen muß, daß der Eisrand sich in einem bestimmten Zeitpunkt sehr nahe den Umrissen des Müggelsees angeschmiegt hat, daß dieser See also ein Zungenbecken ausfüllt, das eine zwischen den Müggelbergen und den Kranichsbergen nach Westen vordringende Gletscherzunge gebildet hat. Das setzt voraus, daß sich der Eis: rand der Talform angeschmiegt hat, daß das Tal also beim Abtauen des Eises schon vorhanden war, in seiner eigentlichen An lage mithin älter ist und auch durch die erwähnte Gletscherzunge nicht geschaffen, sondern nur etwas umgestaltet worden ist. Es dürfte heute wohl ziemlich allgemein anerkannt werden, daß seine erste Anlage eine tektonische ist, geschaffen durch Bewe gungen im Felsgerüst der Erdrinde, die wahrscheinlich um die Mitte der Eiszeit stattgefunden haben, aber unter Benutzung älterer Bruchlinien erfolgten, die schon durch gebirgsbildende Vorgänge an der Grenze der Jura und Kreidezeit vorgebildet zu sein scheinen.
Das schwerste Problem unter den hier erwähnten Talbildungen stellt die Seenkette von Rüdersdorf bis zur Dahme. Auch ihre Bodenformen müssen unter der letzten Eisbedeckung schon vorhanden gewesen sein, und daß sie dieser ihre Entstehung verdanken, wird dadurch noch sicherer gemacht, daß solche Seenketten bei uns außerhalb des Gebietes der letzten Vereisung fehlen. Aber durch welche Kräfte sind sie geschaffen? Auswaschungen durch unter dem Eise fließende Gletscherbäche müssen wir als phantastisch abweisen, zumal die Formen, die wir