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Junge und alte Landschaftsformen in der Mark
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Hier sehen wir die Spree in vielfachen Windungen die Wiesenaue durchziehen. Wir sehen auch an kleinen bogenförmigen Schlenken und an dem eigentümlichen Grenzverlauf der Felderstücke in der Aue, daß diese Flußschlingen im Laufe der Zeit sich vielfach verlegt haben. Das ist ein bei Flüssen im Flachland gewöhnlicher Vorgang. Bei dieser Verlegung bleibt aber die Flußschlinge innerhalb eines gewissen Spielraums immer gleich groß, wie auch die einzelnen aufeinanderfolgenden Schlingen der heutigen Spree annähernd gleich sind. Um größere Flußschlingen zu erzeugen, würde die Spree mehr Wasser führen müssen. Nun finden wir aber am Rande der heutigen Spree- Aue zahlreiche Spuren solcher früherer Flußschlingen von größeren Abmessungen, und es bleibt nichts übrig, als sie einer Zeit stärkerer Wasser= führung zuzuschreiben. Da wir innerhalb einer solchen alten Flußschlinge bei Wulkow Dünenreste finden, so muß die Zeit höherer Wasserführung der Dünenzeit vorausgegangen sein, es kann sich nur um die Abschmelzzeit handeln, um Spuren einer von Eisschmelzwässern gespeisten Urspree. Solche Schlingen finden sich flußabwärts von Hangelsberg mehrere auf beiden Seiten der Spree, auf einer davon liegt Alt- Mönchswinkel, auf einer andern Neu- Mönchswinkel, im Innern einer dritten der Große Kienhorst südlich von Forsthaus Buchte. Andeu tungen finden sich auch oberhalb Hangelsberg, aber nicht am Spreelauf oberhalb Neubrück. Die Eisschmelzwässer, die diese Talformen auswuschen, scheinen also von der Talpforte bei Müllrose ausgegangen zu sein, die heute der Oder- Spree- Kanal benutzt. Nach der Breite der heutigen Moorwiesen in der Schlinge von Wulkow zu urteilen, ist der Strom etwas wasserärmer gewesen als die heutige Oder bei Frankfurt, und dazu paßt auch der Halb messer der Flußschlingen.
Die Auffassung, daß dieses Urspree- Bett uns ein Bild von der Größe der hier einst entlang geflossenen Schmelzwässer des Eises gäbe, steht in starkem Widerspruch zu der herrschenden Annahme, daß das sog. Berliner Haupttal ebenso wie das Baruther und das Eberswalder als Auswaschungstäler der Eisschmelzwässer anzusehen sind, und wir werden uns die Frage vorlegen müssen, ob etwa Gründe vorliegen, vor der Bildung der besprochenen Flußschlingen noch wesentlich stärkere Einschmelzwässer im Berliner Haupttal anzunehmen. Der herr schenden Auffassung nach ist der Nordrand des alten Schmelz wassertals hier der Rand der Kranichsberge bei der Woltersdorfer Schleuse. Der Südrand ist schwer zu bestimmen. Die Fläche des ,, Talsandes" reicht bis südlich von Storkow. Ob aber selbst die begeistertsten Anhänger der Urstromtheorie gewillt sind, dies ganze Gebiet als einheitliches Urstromtal anzusprechen, lasse ich dahingestellt. Etwas weiter westlich wird diese Fläche durch die Anhöhen von Neu- Zittau, den Gosener Berg, den Seddin- Berg und die Müggelberge unterbrochen. Beschränken wir uns darauf, das engere Tal zwischen dieser Höhengruppe und dem Südrande des Barnim zu betrachten! Es scheint mir unmöglich, seine Boden formen als die eines ehemaligen Flußẞtals zu deuten. Dagegen spricht vor allem die quer hindurchgehende Seerinne von Rüdersdorf zur Dahme. Wäre der„ Talsand" des Berliner Haupttales