Heft 
(1921) 30
Seite
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Der Kachel( der Kachelofen)

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setzt diesen Kachel- Bezirk in enge Verbindung mit dem holländischen Sprach­gebiet, wo ja heute das weibliche Wort Kachel allgemein mit der Bedeutung Kachelofen gebraucht wird. Einige Fälle männlichen Geschlechtes fallen nicht ins Gewicht. Im belgischen Anteile des Niederländischen findet sich nur stof stove für den Ofen. Das ostfries.- ndld. Gebiet kennzeichnet sich durch das gleiche Geschlecht als eine Einheit.

Für das Wendland hat Selmer sich, durch den auffälligen Zusammenfall der Bezeichnungen des Kachelofens veranlaßt, auf die alten Berichte von einer holländischen Besiedlung des Wendlandes bezogen. Das gleiche liegt für das Fläminggebiet nahe.

In der Tat Kachel in den beiden einzigen größeren Bezirken, welche als holländische Siedelungsgebiete bezeugt sind, üblich und sonst nur noch eine schöne Be­im geschlossenen ostfries.- ndld. Sprachgebiet zu Hause stätigung des geschichtlichen Zeugnisses! So scheint es.

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Noch immer begegnet der Mundartforscher der Annahme, die Mundart der heutigen Bewohner des Flamings weise ndld. Spuren auf. Aber alle Nachforschungen haben nur eine unlösliche Verbindung mit den angrenzenden Dialekten ergeben; die lautliche Gestalt der Flämingmundart bezeugt in keinem Falle eine andere Zusammengehörigkeit als die mit den benachbarten Mundarten.

Diesem Umstande aber wohnt nicht die Bedeutung inne, daß durch ihn die Berichte einer starken holländischen Besiedlung des Gebietes geleugnet würden; er zeugt nur für die ausgleichende Wirkung der geschichtlichen Verhältnisse. Verklungen, scheint es, sind heute die letzten Laute des Heimatlandes.

Wie aber oft unter dem Erbschmuck einer alten Familie ein seltsames, uraltes Kleinod aufbewahrt sich vorfindet, so pflegt wohl der Sprachschatz Worte zu enthalten, die als Reste einzig und allein vor dem Untergange gerettet sind. Durch eine Vergleichung des Wortbestandes hat die Sprach­forschung in der letzten Zeit wiederholt alte Beziehungen aufgedeckt; darum liegt es nahe, dieses Verfahren auch auf die flämingisch- ndld. Ureinheit an­zuwenden.

Wenn wir die Gleichung Kachel in diesem Sinne ausnützen, so müßten wir annehmen, daß die Siedler des 12. Jahrhunderts das Wort Kachel aus Belegt aber ist es für das ndld. Gebiet ibrer Heimat mitgebracht hätten. erst drei Jahrhunderte später, und es gilt als sicher, daß die Niederlande Ob die ndld. Ueber­Wort und Sache erst aus Deutschland bezogen haben. lieferung den Ansatz der Bedeutung Kachelofen für das 12. Jhdt. gestattet, da der Teuthonista 1477, der früheste Fundort, nur piropus Kochtopf kennt, erscheint fraglich. Immerhin weist der Umstand, daß das älteste Zeugnis ( von 1477) bereits die K- Form aufweist, auf ein früheres Vorhandensein des Wortes auf niederfränkischem Boden hin. Erst Kilian belegt Kachel( 1574). Wie die hollän­Doch tritt eine Form cakeloven wieder im 16. Jhdt. auf. dischen Gelehrten die von ihnen behauptete Entstehung aus der hochdeutschen Zusammensetzung Kachelofen erklären wollen, kann ich nicht einsehen. Ich glaube, daß das modernndld. weibliche Wort Kachel unmittelbar auf jenes dem Teuthonistazeugnis voraufgehende de Kachel, Kochtopf zurückgeführt werden kann. Aus dem Kochtopf ist die Bedeutung Ofen in dem Maße ent­standen, wie sich der Topf in einen Ofen wandelte. Von der Annahme eines Geschlechtswechsels, wie er im Ndld. häufig begegnet, kann man in diesem Falle absehen.

Geht man aber von einem weiblichen Wort Kachel aus, so macht das männ­liche Geschlecht im Flamingbezirk Schwierigkeiten. Auch sollte heute eine