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H. Teuchert
Form die Kachele in dem Gebiet begegnen, welches Wörter wie Jawele Gabel, Nätele Nessel besitzt und-e sogar an die Mehrzahlformen Hüsere, Engene , Enden', Eiere angehängt hat.
Die Bedenken aber erheben sich zur Gewißheit, daß das südbrandenburgische der Kachel dem ndld. die Kachel fremd gegenübersteht, wenn die dialektgeographische Einbettung in die Sprachlandschaft betrachtet wird. Im Süden schließt die md. Sprachgrenze das Kachel- Vorkommen ab. Nordwestlich folgt ein Streifen von einigen Meilen Breite, in welchem der Kacheln gesprochen wird. Dessen Südwestspitze reicht nahe an Loburg heran, während er im Nordosten sich bis über Königs- Wusterhausen ausdehnt. Niemegk, Belzig, Brück, Beelitz, Saarmund, Zehlendorf, Lichterfelde gehören in das Kacheln- Vorkommen. Schließlich ist das große Gebiet der Form der Kachelan anzugegeben; dieses füllt den noch freien Raum bis zur Grenze der nordbrandenburgischen Mundart aus. Der Größe nach erscheinen die beiden Bezirke mit Kachel und Kacheln als ein Teil des großen Kachelän Gebietes.
Wo Kachelän gesagt wird, heißt der Backofen der Backan; in den beiden andern Abschnitten aber gilt die Form Backen mit einer verkürzten Gestalt des zweiten Bestandteils Ofen. Dieser Lauterscheinung muß die
Ver. Neigung zu einem starken Schwund der Endungen entnommen werden. Sehen
wir uns daraufhin die Endungen in der Wortbeugung an, so zeigt sich, daß diese mit I zu einem gelängten 1 genau in dem Bezirk verschmilzt, in welchem der Kachelofen der Kachel heißt. Daraus folgt, daß Kachel aus Kacheln, wie dieses aus Kachelän, hervorgegangen ist. Das südbrandenburgische Wort der Kachel erweist sich somit als eine lautliche Entwicklung aus einer heimischen Form Kachelan. Daher stammt also das männliche Geschlecht. Dem Gleichklang zwischen dem did. und dem flämingischen Wort kommt keine geschichtliche Bedeutung zu. Die überraschend weite Verbreitung der Kurzform Kachel übrigens über Landstriche, für welche holländische Siedelung kaum in Frage gekommen ist ich weise auf die östliche Hälfte des Kreises Teltow hin- findet somit ihre Erklärung; sie ist das zufällige Ergebnis lautlicher Wandlung.
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Die sprachliche Untersuchung des Kachel- und Kacheln Bezirkes liegt leider noch im argen. Sorgfältige lautliche Angaben sind bisher erst wenige bekannt. Für den Uebergang von-len zu ll( d. h. langem 1) insbesondere kann ich Zeugnisse vorläufig nur aus Niedergörsdorf( Knull Knollen', d. h. Kartoffeln, jeschtoal, gestohlen', schell, schälen', del teilen',[ reel, Riegel':] turel, zuriegeln) und aus Mahlsdorf( Knull Kartoffeln, schpäl spielen') beibringen. Phonetische Untersuchungen fehlen aus dem Kachel- Bezirk gänzlich; da ist es nicht zu verwundern, daß das Material so kärglich ist. Aber man vergleiche damit die Verhältnisse in Mecklenburg: obwohl das ganze Land nur noch langes l statt-len besitzt, weist doch das gesamte mecklenburgische Schrifttum keinen einzigen Beleg dieses Lautwandels auf.
Dem südbrandenburgischen Mundartgebiet mit seinen wichtigen und zum Teil noch dunkeln Lauterscheinungen gebührt sorgfältige lautliche Untersuchung. Bis zur nordbrandenburgischen Mundartgrenze über Rhinow, Rathenow, Friesack, Fehrbellin, Spandau, Oranienburg, Biesenthal, Eberswalde, Schwedt, Schönfließ, Soldin, Landsberg bildet es einen Sprachbezirk, der im großen durch einheitliche Züge gekennzeichnet, im einzelnen manche sich scharf abhebende Gruppe mit einschließt und, worauf ich hier besonderes Gewicht legen möchte, manche sprachliche Erscheinung mit dem md. Gebiet gemeinsam hat. Daß diese Arbeit nach dem dialektgeographischen Verfahren vorzunehmen ist, bedarf für mich keiner Erwägung. Denn daß es gefährlich werden kann,
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