BRANDENBURGIA
Eisengewinnung in der Provinz Brandenburg. Von Dr. K. Hucke( Templin).
Literatur.
Georgii Agricolae de re metallica libri XII. Basileae 1561. S. 337. Physikalische Belustigungen, Bd. I. 9. Stück: Nachricht von dem Eisenwerke zu Zehdenick". Berlin 1751.
Schauplatz der Künste und Handwerke, Bd. III.
erzen.
,, Abhandlung von den Eisenhammern
und hohen Oefen in Teutschland." Berlin, Stettin und Leipzig 1764. J. C. B. Karsten, Ueber die Erzeugung und Verarbeitung des Roheisens aus WiesenKarstens Archiv für Bergbau und Hüttenwesen, Bd. XV. Berlin 1827. J. C. Freiesleben, Ueber das Vorkommen und die Benutzung des Raseneisensteins im Kottbuser Kreise. J. C. Freiesleben, Geognostische Arbeiten, Bd. VI. Freyberg 1817. S. 216-243.
H. Cramer. Beiträge zur Geschichte des Bergbaues in der Provinz Brandenburg.. 10 Hefte. Halle 1872-1889.
L. Beck, Die Geschichte des Eisens in technischer und kultureller Beziehung. Braunschweig 1884-1895.
In der prähistorischen Kultur Norddeutschlands beginnt die Vorherrschaft des Eisens etwa mit dem Jahre 500 v. Chr. Vielleicht wurde das erste Eisen aus dem Süden und Südosten nach Norddeutschland eingeführt, doch ist anzunehmen, daß auch hier bei uns schon frühzeitig Eisen aus Erz geDie im Verhältnis zu der primitiven prähistorischen Verwonnen wurde. hüttung reichhaltigen Lager von Raseneisenstein in der Provinz Brandenburg machen dies ebenso wahrscheinlich wie das Vorhandensein alter Schlackenhügel, die gelegentlich gefunden werden und auf eine ehemalige Eisenschmelzerei an der betreffenden Stelle hindeuten. So berichtet Zeise in den Erläuterungen zu Blatt Hammelspring der Geologischen Karte von Preußen von Schlackenhügeln auf den Wesendorfer Wiesen nördlich von Zehdenick und in der Staatlichen Forst Zehdenick, welche jetzt fast sämtlich abgetragen und zur Wegebesserung verwendet worden sind. Cramer erwähnt, daß im Kreise Spremberg auf der Höhenlage von Döbern und Renten sich Schlacken und Eisensteine finden, die auf Eisenverhüttung in sehr alter, nicht näher bestimmbarer Zeit schließen lassen. Im Sorauer Kreise hat man in prähistorischen Urnengräbern Eisenschlacke angetroffen.
Die älteste Art des Schmelzprozesses kennen wir nicht genauer; doch ist anzunehmen, daß unter freiem Himmel in offenen Gruben durch Holzkohlenfeuer bei starkem Winde ohne alle weiteren Hilfsmittel das Erz geschmolzen und nach dem Niederbrennen des Feuers die entstandenen Eisenteilchen ausAllmählich ging man zu den sogenannten Rennherden ¹) geräumt wurden. oder Luppenfeuern über, bei denen auf einem gemauerten Herde mit Hilfe schwacher Gebläse, die anfangs mit der Hand bewegt oder getreten wurden, das Eisenerz verhüttet ward. Zu diesem Zwecke wurde der Raseneisenstein in kleinere Stücke zerschlagen und mit Holzkohle wechselnd in Lagen aufgeschichtet. In der durch den Gebläsewind erzeugten Glut wurde das Eisen
1) von„ rinnen"= schmelzen, flüssig werden.