Heft 
(1922) 31
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Funde aus einer frühmittelalterlichen Töpferei

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Form und Dekor ist eine gewisse Aehnlichkeit mit unseren Töpfereifunden nicht zu verkennen. Selbst zeitlich( die älteren 11.- 12., die jüngeren slavi­schen 13. Jahrh.) treffen die Angaben ziemlich genau zusammen. Trotzdem glaube ich, daß die Töpferei frühdeutsch ist, wenn sie auch nach wendischen Vorbildern gearbeitet hat; das Laufradornament, die Henkel und der klin­gend harte Brand deuten auf ,, westdeutsche" Einflüsse und Fortschritte in der Technik hin.

Daß es sich bei den Funden um Reste aus einer Töpferei und keiner Siedlung handelt, geht daraus hervor, daß sich auf einem verhältnismäßig kleinen Raum sehr viel Scherben fanden und keinerlei Knochen- oder Kohlen­reste. Zudem traf man sehr viele im Brande verzogene, deformierte und zusammengeschmolzene Scherben vor, auch aufgekochte und blasig gewordene. Der größte Teil der Scherben war dickwandig, grau- schwarz und mattglänzend, seltener gelb oder rötlich. Einige zeigten allerdings im Kern gelben Ton, während der Ueberzug außen und innen schwärzlich grau war.

Zweifellos die ältesten Gefäßreste sind die Scherben mit einfacher S- förmiger Ausladung, ohne jedes schärfere Profil. Dieser ältere Typus zeigt sich än stark gedrungenen, kugeligen Gefäßen, wobei der Rand ohne beson­deren Absatz ausbiegt. Der Rand oben zeigt einen rundlichen Kamm, meist Profile, also Durchschnitte von diesem mit plumper oder verdickter Leiste. Eine weitere Entwicklung

älteren Typus sind auf Tafel I. 1-2 abgebildet. zeigen die Scherben 3-5, sie führen auf der Innenseite eine scharf mar­Eine noch weitere Veränderung kierte Hohlkehle parallel zum Randende. haben die Randprofile 6-9 erfahren, indem sie teilweise noch weiter aus­ladend, aber zugleich oben nicht mehr allzu plump und rund erscheinen.

Als Uebergangssystem zur jüngeren Periode möchte ich die Scherben­profile 10-19 wiedergeben. Natürlich sind dies nur die charakteristischsten Bei ihnen können wir einmal die unter den hunderten von Randstücken. spitz nach oben zulaufenden Leisten( 10, 13, 19), und zweitens den dornen­Gerade dieser Ansatz bildet artigen Ansatz( 10, 13, 16, 19) wahrnehmen." sich zu der im jüngeren Typus so charakteristischen, untergriffigen ,, Halskrause" aus. Die Scherben 16, 18 z. B. deuten die Halskrause in dem starken Vor­sprung nur an, desgl. 22, hier ist der Ansatz aber noch nicht untergriffig. Der Vorsprung geht meist schräg nach unten; an einigen Scherben aber Je mehr nun der obere Rand und erscheint er fast senkrecht im Profil. der Vorsprung anschwellen und je gebogener die Verbindungslinie dieser eben­genannten Punkte ist, um so jünger ist der Scherben( 26, 28). Bei den chro­nologisch vorangegangenen ist diese Flucht senkrecht gerade( Tafel I, 21, 24). Die geschwungene Verbindungslinie, wie sie z. B. Scherben 29 zeigt, dürfte auch jünger sein; in dieser Periode beginnt dann die Hüfte des Gefäßes fast wagerecht zu dem senkrecht stehenden schmalen Rand sich fortzusetzen, um dann in schwacher Biegung nach unten bis zum Boden weiterzulaufen. Die Scherben der älteren Periode unterscheiden sich noch von denen der jüngeren auch dadurch, daß sie poröser im Bruch, also nicht so hoch gebrannt sind. Die jüngeren hingegen zeigen meist gesintertern Bruch, mattglänzende Außen­fläche, sogar teilweise Schmelzspuren. Sie sind klingend hart gebrannt. Auch sind meiner Ansicht nach tiefe eckige rillenartige Gurtfurchen älter, als die flachen, rundlichen Gurtfurchen an den Halskrausenrandstücken.

Form der Gefäße.

Die Form der älteren Töpfe ist ziemlich gedrungen und kugelig: ich komme noch im weiteren Verlauf meiner Arbeit darauf zu sprechen. Vor­herrschend wären aus der älteren Periode schwarzgraue Scherben von stark