Heft 
(1922) 31
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Konrad Strauß

gekommen bin. Lienau kennt die Keramik des 13. Jahrh. ziemlich gut durch die Ausgrabung einer mittelalterlichen Siedelung auf dem Kneterberge bei Dahlenburg.) Bevor ich zur eigentlichen Beschreibung der Keramik schreite, möchte ich einige topographische und geschichtliche Angaben vorausschicken. Schon im 13. Jahrh. war Frankfurt einer der bedeutensten und belebtesten Handelsplätze im Osten. Es lag an der Kreuzung der Handelsstraßen nach Polen einerseits und nach Schlesien bezw. nach der Ostsee anderseits, zudem an dem schiffbaren Oderstrome. Kein Wunder also, daß es mächtig aufblühte und bereits im 13. Jahrh. stark besuchte Jahrmärkte abhielt. Nach der Erlangung des Stadtrechts( 1253) nahm Frankfurt erst recht seinen Aufschwung, wan­derten doch nun aus dem deutschen Westen allerhand Kolonisten her, wie Kaufleute, Handwerker, darunter wohl auch Töpfer, die sich hier niederließen. Da aber gerade in diesen Zeiten natürlicherweise noch der Zustand der Ab­sonderung zwischen ansässigen Slaven und neuzugewanderten deutschen Ko­lonisten weiter anhielt, ist es zu verstehen, daß sich dieser Gegensatz auch auf handwerklichem Gebiete zeigt. Da aber gerade in diesen Zeiten Gegensätze zwischen den Slaven und Deutschen in der Umgegend der Stadt und um die Stadt selbst währten, 2) so wird es uns auch als selbstverständlich erscheinen, wenn wir hören, daß Frankfurt schon s. Zt. ein bedeutender befestigter mit Wall und Graben umgebener Ort war.3) Was das Alter der Vorstadt( Gubener) anbetrifft, so kann man die ältesten Erwähnungen bis ins 14. Jahrh. zurück­verfolgen. Zwischen 1353-1368 können wir die Erbauung des alten Kirch­leins zn St. Gertraud ansetzen. Diese Kirche, die nur einige hundert Schritt von unserer Töpfereifundstelle abliegt, befand sich auch außerhalb vor dem Gubener Tore nach Süden zu.

Daß die Töpferei vor der Stadt lag, ist hei dem feuergefährlichen Be­triebe nicht zu verwundern. Außerdem müssen wir annehmen, daß an dieser Stelle des Höhenzuges ein besonders guter Ton zutage kam. Vor Jahren fand ich am Ende dieser Gubenerstraße ein gutes Tonlager. Bei H. Binder u. M. Pohlandt, ein Beitrag zur Heimatkunde Frankfurt a. O., S. 18 heißt es: Reiche Lehm­lager finden sich im Westen der Stadt zwischen der Leipziger Chaussee und der Fürstenwalder Straße, auch fehlt es nicht an gutem Töpferton." Aus dér Art der Scherben können wir annehmen, daß die Töpfer Kolonisten, also vom Westen her eingewanderte und mit der fränkischen Technik der Keramik vertraute Deutsche gewesen waren, die einerseits ihre Fertigkeiten und Techniken anwandten, andrerseits aber sich noch hiesige wendische Keramik als Vorbilder nahmen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß nur Gefäße, die z. B. mit der beliebten und typischen Wellenornamentik verziert sind, für die wendische Bevölkerung gearbeitet wurden. Besonders interessant dürfte sein, daß sich ganz in der Nähe ein slavischer Begräbnisplatz aus dem 11.- 12. Jahrh. n. Chr. befand.4) Der in Bersus- Abhandlung in Nr. 4 abge­bildete Rand deutet in seinem Profil auf den ältesten Typus unserer Scherben hin, noch mehr der stark profil. Rand Nr. 6, der auch nach Bersus Ansicht mit seinen Gurtfurchen und seinem Gefäßboden( mit einer Marke in Schwert- oder Also in Kreuzform) wohl schon in das 13. Jahrh. 5) hineinreichen dürfte.

1) Vergl. M. M. Lienau, Mannes Zeitschr, VII. 1914. S. 178.

2) Ich erwähne die Zustände im 12.- 13. Jabrh. deshalb, weil die Töpferei in der Gubenerstraße aus dieser Zeit stammen muß.

3) Vergl. die Kunstdenkmäler der Provinz Brandenburg 1912, S. 12.

4) G. Bersu, Slavisches Gräberfeld bei Frankfurt a. O. Präh. Zeitschrift II. Bd. 1910, S. 200.

5) Bersu sagt bei den slavischen Randprofilen. daß sie an das 13./14. Jahrh. er­innern; 13. Jahrh. lasse ich gelten, 14. Jahrh. ist ohne Frage zu hoch gegriffen. Im Uebrigen legt er den Hauptteil der Keramik aus dem slavischen Gräberfeld ins 11./12. Jahrh., und dies mit Recht.