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Konrad Strauß
Wesentlich ist aber, daß diese Verzierungsart auf der Scheibe hergestellt worden ist, während z. B. die Wenden dies Ornament von der deutschen Ware als Vorbild für ihre Gefäße nahmen, aber erst später auf die fertig gedrehten Töpfe mit einem Holzstab einrissen, wobei die nachgeahmten Gurtfurchen schärfer in der Contur sind und nicht mehr parallel laufen, sondern oft in mehr oder weniger großen Abständen sich schneiden.
Füße.
Eine Anzahl ,, Füße"( Beine), die wahrscheinlich von den sogen. ,, Grapen" ( auch Schmelz- oder Leimtiegel) stammen, zeigen eine spitze, hohe, oben breite und nach unten sich verjüngende Form; unten sind sie schräg zugeschnitten, um besser und fester zu stehen Einige sind rund oder zuweilen mit einer senkrechten Hohlkehle( tiefen Furche) versehen, andere wieder fast viereckig. Daneben treten auch kurze, plumpe Füße auf.
Henkel.
Fast alle Henkel sitzen am oberen Rand einerseits und auf der Hüfte andererseits; der dadurch begrenzte etwas eingezogene Hals ist mit starken Gurtfurchen verziert. Die meisten Henkel, besonders an der älteren Randprofilen, sind breit und relativ kurz; auch weisen sie stets in der Mitte eine breite Hohlkehle auf. In späterer Zeit werden die Henkel weniger am Rand befestigt und meist mit ein oder zwei Dellen oben angedrückt( Tafel II, 16). Der Durchschnitt der späteren Henkel ist auch eckiger, während er in der früheren Periode flach ist oder eine unregelmäßige Hohlkehle in der Mitte aufweist( Tafel II, 8-11). Bei noch späteren Henkeln, die auch immer schmäler, aber länger zu werden scheinen, zeigt sich eine typische Verzierungsart, wie auf Tafel II, 2 abgebildet ist. Diese halbkreisförmigen Einknetungen in den weichen Ton finden sich sogar noch an Henkeln des 16. Jahrh. Auf Tafel II, 6 ist ein Henkelansatz am Scherben mit eingedrückter Delle, in Nr. 7 ein gleicher ohne Delle abgebildet.
Verzierungen.
Also neben der schon erwähnten Gurtfurche, die freilich sehr verschieden auftritt: bei den älteren Gefäßen breit halbkreisförmig, sogar von innen herausgedrückt, bei den jüngeren oftmals flacher, aber schärfer erscheinend, findet sich aber auch das Laufradornament. Dieses Verzierungsmotiv ist für frühdeutsche, insbesondere westdeutsche Keramik typisch, die Vorbilder dieser Laufradtechnik finden sich bereits bei den meroving- karolingischen Gefäßen, die diese wiederum von den prov. römischen Tonwaren übernommen hatten. Ein Holz- oder Metallrädchen, an dessen Peripherie Einkerbungen von entsprechenden Motiven angebracht werden können, läßt man beim Um-. drehen des Topfes auf den weichen Ton aufsitzen, wobei sich die Erhebungen von dem Rädchen in den Ton eindrücken und so das Ornament hervorbringen. Meist fand sich die Rädchentechnik dicht unter dem Rand, aber auch an den beiden erhöhten Henkelseiten. Tafel II, Nr. 20 zeigt ein Motiv aus dreieckigen Einstichen, Nr. 21 ein Motiv aus Senkrechten- und Diagonalstrichen, während Nr. 22 nur senkrechte, aneinandergereihte Eindrücke zeigt. Letztere verlaufen nach unten( innen) keilförmig, was für die Beschaffenheit des Rädchens bemerkenswert ist. So dekoriete, frühdeutsche Gefäße sind keineswegs selten.( Vergl. Dr. Pfau, Die Geschichte der Töpferei in der Rochlitzer Gegend, S. 58.)
Außerdem fand sich ein Scherben mit einem Wellenornament und zwar nicht, wie wir bei deutsch- mittelalterlichen Töpfen oft sehen, eine mit einem
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