Heft 
(1922) 31
Seite
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Bücherbesprechung

Ueber hundert Jahre sind verflossen, seit das Oberlandesgericht aus Soldin verschwunden ist; die Stadt, die noch keine 6000 Einwohner hat, führt wieder das stille Dasein einer Landstadt. Da nicht einmal ein Gymnasium in ihr und im Kreise Soldin besteht, ist es nicht verwunderlich, daß nicht eben viel für dessen Geschichte geschehen ist. Unter diesen Umständen ist es doppelt anzuerkennen, daß ein in Hackelspring bei Berlinchen wohnhafter Lehrer, dem warme Heimatliebe die Feder ge­führt hat, es mit dem hier anzuzeigenden Buche unternommen hat, den Neumärkern seiner Gegend etwas von deren Vergangenheit zu erzählen. Die Arbeitsleistung war für ihn nicht gering; moderne Büchereien standen ihm nicht zur Verfügung, und die Benutzung der Akten der Frankfurter Regierung ist ihm, wie er mir gelegentlich berichtete, nicht eben leicht gemacht worden.

Der Geschichte sind einleitende Abschnitte vorangeschickt, die sich mit der Landschaft und ihrer erdgeschichtlichen Entstehung befassen, und die die Urzeit aus vorgeschichtlichen Funden aufzuhellen suchen. Gerade sie werden das Interesse der engeren Landsleute des Verfassers erregen und die Phantasie zumal der Schuljugend, denen der Lehrer gewiß ein beredter Erklärer der Vorzeit ist, befruchten. Daß im übrigen angesichts, der Schwierigkeiten, unter denen das Buch entstanden ist, sich in demselben gelegentliche Irrtümer finden, ist begreiflich und voll entschuldbar. Ich merke an, daß Odowakar( S. 18) nicht ein Rugier war, sondern ein Skire; daß das Erzbistum Magdeburg nicht 967 ins Verfehlt ist auch Leben trat( S. 22), sondern erst ein Jahr später. ( S. 29) das günstige Urteil über den Slawenkreuzzug von 1147, der vielmehr mit Deutschlands großem Kirchenhistoriker A. Hauck zu be­trachten ist als das törichtste Unternehmen, das das zwölfte Jahr­hundert kennt".

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Doch solche kleinen Ausstellungen sollen den Wert des Buches nicht herabsetzen, das ich wiederhole es- gemessen an den widrigen äußeren Umständen, unter denen es entstanden ist, eine achtungswerte Leistung darstellt. Die Tatsache, daß die Arbeit in dem kleinen Berlinchen einen Verleger gefunden hat, legt ein erfreuliches Zeichen dafür ab, daß des Verfassers Bestrebungen zur Erweckung der Heimat­liebe dort verständnisvolle Förderung gefunden haben

Berlin.

Professor Dr. Hermann Krabbo.

Dr. Hans Brendicke: Führer auf der Wanderung durch Alt- Berlin­Berlin 1922. Kölln. Mit 22 Bildern, Wappen, Siegeln usw.

E. S. Mittler& Sohn. Preis 10 M.

Verfasser dieser verdienstlichen Gabe ist einer der erfolgreisten Vor­kämpfer für Heimatkunde und Heimatliebe. Seine Führungen durch Alt­Berlin haben die Verbreitung heimatkundlicher Kenntnisse erheblich gefördert und fraglos alle die, die weiter streben, den Vereinigungen zugeleitet, die die Verfolgung jener Ziele sich zur Aufgabe machen. Das ist auch ein Ver­dienst Dr. Brendickes, das ihm unvergessen bleiben soll.

In der Einleitung des Führers lesen wir: ,, Friedrich Ludwig Jahn for­derte 1810 in seinem ,, Deutschen Volkstum", man solle die Heimat lieben und das Vaterland ehren. Man kann aber einen Menschen oder eine Sache nur lieben und ehren, wenn man sie kennt. Um diese Keuntnis nun zu ver­breiten und seine Jünger teilnehmen zu lassen an den Forschungsergebnissen über Alt- Berlin, hat Dr. B. seinen Führer verfaßt und in ihm die Summe