Heft 
(1923) 32
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BRANDENBURGIA.

Aus der naturwissenschaftlichen Abteilung des Märkischen Museums zu Berlin. Abteilungsdirektor: Dr. M. Hilzheimer.

Das Torfrind( Bos taurus longifrons Owen) in der Mark Brandenburg.

Von Dr. Albert Hübner.

Ueber das Torfrind( Bos taurus longifrons Owen syn. Bos brachyceros Rütimeyer) ist die Literatur sehr umfangreich. Außer den grundlegenden Arbeiten von Owen und Rütimeyer sind zahlreiche Abhandlungen von Adametz, David, Duerst, Fiedler, Lundwall, Nehring, Hilzheimer, Keller, Kühnemann und anderen erschienen. Die von mir benutzten Werke führe ich in dem angefügten Literaturverzeichnis in alphabetischer Reihenfolge nach dem Ver­fassernamen auf. Charakteristisch für das Torfrind, das sich schon in der Steinzeit als Haustier bei den Bewohnern der Pfahlbauten vorfindet und die kleinste der bekanntgewordenen subfossilen Rinderformen ist, sind die ypischen Schädelmerkmale, die lange und schmale Stirn, der hohe, in der Mitte ausgebuchtete Occipitalwulst, die kurzen, schwammig- porösen Horn­zapfen, die wurmstichigem Holze ähneln( Rütimeyer), die Lücke zwischen Frontale, Nasale und Lacrymale. sowie der feine, zierliche Bau der übrigen Knochen. Rütimeyer hat eine Abstammung des Bos taurus longifrons Owen vom Ur für ausgeschlossen gehalten und infolge einer Aehnlichkeit mit algerischen Rindern den wilden Vorfahren desselben außerhalb Europas an­genommen. C. Keller glaubte, in dem hinterindischen Banteng den Stamm­vater des Langstirnrindes gefunden zu haben. Auch Adametz vertritt die diphyletische Theorie über die Abstammung unserer Rinder und will in einem subfossilen Rinderschädel, welchen Arbeiter beim Graben eines Brunnens auf einem Gute in Westgalizien in einer Tiefe von ca. 12 Fuß fanden, Reste eines Wildrindes, des Bos brachyceros europaeus Adametz, und somit den Stammvater des Longifrons- Rindes sehen. Duerst( 11) und Hilzheimer( 16) erkennen diesen Bos brachyceros europaeus nicht an und halten hingegen den Ur, da bisher kein einziges anderes taurines Wildrind bekannt geworden ist, für den alleinigen Stammvater aller taurinen Hausrinder( Duerst, Siegfried, Nehring, Hittcher, Hilzheimer).

In dieser Abhandlung sollen nun einige im Torf, Moor und in Baugrün­den der Mark Brandenburg gefundene Rinderschädel, bezw. Schädelreste und Extremitätenknochen erstmalig beschrieben werden, die sämtlich die typischen Merkmale des Torfrindes zeigen. Bisher sind Funde des Torfrindes aus der Mark Brandenburg noch nicht eingehender behandelt worden. Die hierbei in Erscheinung tretenden Ergebnisse will ich als Beweis dafür zu verwerten suchen, daß die als Torfrind bekannte Rinderform nicht als Typus der Longi­frons- Rinder anzusehen, sondern, wie Hilzheimer schon öfter ausgesprochen hat, lediglich eine Kümmerform der Rassengruppe der Longifrons- Rinder ist, die unter Beibehaltung jugendlicher Merkmale geschlechtsreif, geworden ist, und somit auch vom Ur abgeleitet werden kann. Zu meinen Messungen habe