Heft 
(1924) 33
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Das Märkische Museum und die Brandenburgia.

Friede

Von ROBERT MIELKE,

a. o. Prof. a. d. Techn. Hochschule.

riedel hätte eine Gelehrtenlaufbahn einschlagen sollen" sagte mir vor Jahren einmal jemand. Ich erlaubte mir zu widersprechen Heute bin ich nicht nur fester und habe es zu begründen versucht. überzeugt, sondern auch davon, daß er auf einem anderen Wege weniger Würde er wohl die Gesellschaft für erfolgreich gewesen sein würde. Heimatkunde der Provinz Brandenburg gegründet haben, wenn er Oder wäre er, selbst wenn irgendwo an einer Schule gewirkt hätte? er seinen Platz an einer Hochschule gefunden hätte, zur Schaffung des Märkischen Museums gekommen? Wohl schwerlich. Aber als einfluß­reiches Mitglied des engeren Magistrates hatte er reichlich Gelegenheit, als angesehener das Fehlen eines solchen Institutes zu bedauern; Berliner Verwaltungsbeamter aber fand er stets Mittel und Wege, seine Pläne zu verfolgen. Von hier aus hatte er Beziehungen zu allen staat­lichen und städtischen Behörden, konnte er Verbindungen mit wissen­schaftlichen, politischen und Finanzkreisen pflegen; von hier aus wirkte er nach oben und unten, ohne befürchten zu müssen, daß sich ihm mißgünstige Bestrebungen in den Weg stellten. Ja, vielleicht hat ihn seine Verwaltungstätigkeit vor größeren wissenschaftlichen Enttäuschungen bewahrt, die bei seiner vielseitigen Veranlagung schwerlich ausgeblieben wären. Denn Friedels Interesse war dauernd zwischen naturwissen­schaftlichen und geschichtlich- archäologischen Arbeiten geteilt; er würde kaum die Entschlossenheit gefunden haben, sich ganz einem bestimmten Fache zuzuwenden. Aber dieses Interesse, das ihn in seiner Studien­zeit in die rechtswissenschaftlichen, geschichtlichen und naturwissen­schaftlichen Vorlesungen getrieben hatte, war ihm auch Antrieb, die großen Zeitfragen der Volksbildung vorurteilslos zu prüfen. Es war ja seiner Beobachtung nicht entgangen, daß die wahre Wissenschaft nicht auf die Kreise der engen Fachvertreter beschränkt bleiben dürfe, sollte sie nicht zu einer unfruchtbaren, über der Volksgenossenschaft stehenden Einseitigkeit erstarren.

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jeder nach seinem Können

die Alle sollten sie beitragen Wissenschaft zu bereichern; alle sollten aber auch in enger Anlehnung an die Fachgelehrten, an den Ergebnissen der Forschung teilhaben. Ob ihm dabei ein Ziel vorschwebte, wie es die Volkshochschulen zu erreichen suchen, scheint mir nach den mit Friedel gehabten Unter­haltungen recht unwahrscheinlich. Er glaubte vielmehr, wissenschaftliches Interesse mehr dadurch erwecken zu können, daß die in Frage kom­menden Volkskreise durch fortwirkende persönliche Beziehungen zu den Wissensgebieten auch in lebendiger Berührung mit ihnen bleiben würden. Er sah weiter in dieser Wissenspflege die Grundlage, um die vor einem halben Jahrhundert stark einsetzenden Zuwanderer Berlins für die Geschichte der Reichshauptstadt zu begeistern und im weiterem Sinne auch die Bewohner der Provinz innig mit ihrer Heimat zu verknüpfen.

Diesen Bestrebungen sollten das Märkische Museum und die Brandenburgia dienen. Schon in dem ersten Aufruf zur Gründung

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