Heft 
(1924) 33
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mag ein Bauwerk als Quelle zu dienen, wenn es durch seine einzelnen Bauperioden den Beweis wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit der Erbauer zu der gegebenen Zeit bringt. Bestimmte Kapellen bei Kirchen werfen auf die Heiligenverehrung der Zeit ein Licht, wie etwa der Erasmus­und Wolfgang- Kult den durch die Zollern in die Mark gebrachten fränkischen Einfluß verrät.

Der Sprach- und Volkskunde wird der Landes- und Lokal- Historiker ebenfalls seine Aufmerksamkeit schenken müssen. In den Orts- und Flurnamen ruht fast noch ungehobener Quellenstoff. Auch auf die Bei dem alten Straßennamen beginnt man neuerdings zu achten. slavischen Einschlag unserer Mark wartet unser dabei eine besondere Aufgabe, die Scheidung der deutschen und slavischen Namen und ihre Deutung. Hier kann der Nationalitätenfrage der Mark eine reiche Quelle fließen, doch bedarf der Historiker hier der Hilfe geübter Phi­lologen, ebenso wie er sich hüten muß, wenn er das schwierige Gebiet der Volkskunde betritt. Doch er soll an gesicherten Ergebnissen nicht vorübergehen. Er soll aus ihnen für seine Landesgeschichte wichtige Züge entnehmen, die sonst keine Quelle berichtet oder die die urkund­lichen Notizen stärker stützt, wie etwa die flämische Einwanderung im Lande Jüterbog mehr gesichert wird durch das Vorkommen einer Stalleinrichtung, wie sie heute nur noch in Brabant üblich ist.

So wird die Landesgeschichte in viel reicherem Maße als bisher überall ihren Stoff suchen müssen. Alle Disziplinen werden ihr Sie wird dabei zur Hand gehen, soweit sie historisch gerichtet sind. selbstredend auch der Vorgeschichte, Rechtsgeschichte und der Wirt­schaftsgeschichte wertvolle Hilfe zu danken haben, gewisse Aufgaben ohne sie überhaupt nicht lösen können.

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Gelingt es dem methodisch geschulten Forscher, allen diesen Gebieten seine Quellenstoffe zu entnehmen, so wird mag es sich ein Bild ent­nur um einen einzelnen Ort oder einen Kreis handeln stehen, das den Reichtum geschichtlichen Lebens, wenn auch immer noch unvollkommen, widerspiegelt, um so mehr, wenn der Forscher zugleich ein guter Schriftsteller ist. Aber noch eine Forderung bleibt, ohne die landesgeschichtliche Forschung nicht die rechte ist. Wir müssen sie hinausführen aus der Enge des partikularen Lebens und sie hineinstellen in den großen Zusammenhang der deutschen und all­gemeinen Geschichte. Märkische Geschichte vom märkischen Stand­punkt: ein kümmerliches Gewächs. Wie wir selbst das Produkt von tausend Zufälligkeiten oder Gesetzmäßigkeiten sind, nicht verstanden werden können ohne die Umwelt, in die wir hineingehören oder ge­stellt sind, so kann die Landesgeschichte nur gefasst werden als ein Teil, den man nie aus sich selbst klären soll. Wir klären die geschicht­lichen Ereignisse auf dem märkischen Boden, indem wir sie in Beziehung setzen zu der allgemein en deutschen Geschichte, deren Erforschung hinwiederum befruchtet wird durch die Bäche und Bächlein, die aus dem vielgestaltigen Leben der Landesgeschichte herfließen. Zu Zeiten löst sich deutsche Geschichte ja geradezu in Landesgeschichte auf. So wird landesgeschichtliche Forschung mehr sein als sich selbst genügende Wissenschaft. Der l'art pour l'art- Standpunkt ist bei keiner Wissenschaft berechtigt, er sollte auch nicht bei der Geschichte und nun gar bei der Landesgeschichte eingenommen werden. Dem Schopen­hauer- Nietzscheschen Gedanken von der Unbrauchbarkeit der Geschichte stellen wir den fruchtbareren gegenüber, daß der jetzige Zustand eines

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