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aber das läßt sich nicht bestreiten, daß etwas von der müden und im Unwetter doch auch ungeheuerlich aufbrausenden Luchlandschaft, die ihm lange Heimat war, in seinen Werken liegt. Wer einmal die Mark von Blickpunkt der Literaturgeschichte zu schildern unternimmt- auch das liegt m. E. im Rahmen der Landesgeschichte kann an solcher Wechselbeziehung nicht vorübergehen, wie viel weniger bei der SiedlungsGeschichte, wo die Abhängigkeit der Geschichte von der Landschaft und damit die Notwendigkeit, aus der Landschaft selbst den Quellenstoff zu holen, ganz klar vor Augen liegt.
Nehmen wir Potsdam als Beispiel. Jahrtausende flutet die Havel im ewigen Gleichmaß an der Stelle vorüber, wo sich heute Potsdam erhebt. In unaufhörlichem Wechsel modelte der Mensch die karge Scholle, die der Fluß hier bespült, der zusammen mit der Nuthe in slavischer Zeit Grenze dreier Gaue war: des Havellandes, der Zauche und des Teltow. Indem der Fluss abgrenzte, war er zugleich Schutz und Schirm: er hütete die slavische Siedlung, die die kundige Hand Bestehorns an der Heilig- Geist- Kirche gegenüber der Nuthe- Mündung uns aufgedeckt hat. Als der Slave wich und der Deutsche sich hier festsetzte, schuf Potsdams Lage dem Ort eine weit stärkere Bedeutung. Wohl schon in ottonischer Zeit, sicher aber nach den gut anderthalb Jahrhunderten slavischen Rückschlages in der askanischen Epoche, als die Havel- Nuthe- Linie vorübergehend die östliche Grenze deutscher Herrschaft in dem märkischen Lande war. Bereits damals wird die Befestigung, die Burg, ungefähr an der Stelle des heutigen Stadtschlosses, entstanden sein, die im wesentlichen auf dem hier von der Natur gegebenen Flussübergang innerhalb jener natürlichen Befestigungslinie beruht. Bereits das Mittelalter kennt eine Brücke, etwa da, wo heute vom Bahnhof aus der Weg über die Lange Brücke in die Stadt führt. Die Burg bestand auch noch, als die Gebiete jenseits des Flusses längst deutsch geworden waren. Leicht erklärt es sich, daß der ökonomische Karl IV. sich nicht die Gelegenheit entgehen ließ, an solcher Stelle einen Zoll zu erheben. Damals war, eine Folge lokalen Verkehrs, neben der Burg bereits die Civitas entstanden, das bürgerliche Gemeinwesen, die Vorläuferin der heutigen Stadt. Freilich: die Stadt blieb zurück. Wer zog wohl die entlegene Straße über die Havel? Wer aus dem Südwesten in die Mark kam, der ging damals noch seine Straße über Belzig und Saarmund und erreichte dort den Teltow, und die uns heute so bekannte Straße von Magdeburg nach Berlin nahm noch lange nicht ihren Weg an Potsdam vorbei, sondern von Brandenburg aus quer durch das Havelland auf Spandau zu. Erst die Zollern, die an der Lage des noch immer bestehenden Schlosses am Havelufer Gefallen hatten, haben Potsdam aus seiner Abgeschiedenheit erweckt; aber sie knüpften den Faden doch an ein Gewebe an, das Natur und Geschichte vereint schufen.
Ich nenne als weitere Quellen unsere Bauwerke. Noch stehen wir hier in in den Anfängen, aber wir werden lernen, sie nicht nur vom ästhetischen Standpunkte aus zu sehen, sie vielmehr als geistige Zeugnisse zu werten. Es werden sich bei genauer Durchforschung kulturelle Einflüsse ergeben, wie man sie zwischen Lehnin und Magdeburg aufgedeckt hat, wie sie zwischen der Niederlausitz und Kursachsen fast dem ungeübten Auge erkennbar sind, und wie z. B. zu Tage treten in der Tätigkeit italienischer Stuckateure auf neumärkischen Gütern um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts. Auch rein wirtschaftlich ver