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stellt, ja der Gelehrte wird ihn bei solcher Tätigkeit sogar froh begrüßen dürfen, wie z. B. die Sammlung von Flurnamen seitens des Ruppiner Kreislehrervereins( 1904) des Dankes sicher sein kann.
Wenn wir in der Provinz so unter Ablehnung aller nur dilettantischen Kräfte forschend tätig sind, so wird den einzelnen Geschichtsvereinen eine beachtenswerte Aufgabe zufallen. Sie werden in ihrem begrenzten Rahmen ein möglichst geschlossenes Bild ihres Bezirks allmählich zu zeichnen suchen. Sie werden die feinen Verästelungen blosslegen, die jedem Bezirk sein besonderes Gepräge geben, zeigen, wie sich etwa Havelland und Uckermark trotz ihres gemeinsamen Ohne intensive EinzelCharakters doch wesentlich unterscheiden. unternehmungen wird es dabei nicht abgehen. Der Lokal- Historiker, wie ich den Forscher eines engeren Gebietes, eines Landes teiles, eines Kreises, einer Stadt, eines Dorfes im Gegensatz zu dem LandesHistoriker nennen möchte, soll sich nicht immer mit dem Wiederholen und Umformen alter Ergebnisse auf Grund der vorhandenen Literatur begnügen, er soll zu neuen Ergebnissen kommen, die ihm eben nur die Durcharbeitung der Quellen, alter wie neuer, erschließt. Also heran an die Quellen! Es bleibt ein armseliges Unterfangen, wenn man nur aus zweiter und dritter Hand sein Material schöpft, und es kann nicht ausbleiben, daß ein schiefes, daß ein falsches Bild dann entsteht.
Zu den alten bekannten Quellen müssen neue kommen. Ich denke da zunächst an die Urkunden und Akten unserer Archive, vom Geheimen Staatsarchiv in Dahlem bis zu den spärlichen Grenzrezessen in den Händen eines Schulzen in der entlegensten Ecke der Neumark. Die Ausbeute wird selten so reich sein wie in den auch historisch Aber die gesegneteren Bezirken des deutschen Südens und Westens. Suche wird nicht ganz vergeblich sein. Noch ist freilich archivalisches Arbeiten in unserer Provinz erschwert durch das Fehlen von ArchivInventaren, wie sie andere Landschaften bereits besitzen. Man muß mühsam suchen in Stadt und Dorf, Pfarre und Gutshaus, aber vielleicht ist die Freude dann um so größer, wenn ein Fund gelingt.
Urkunden und Akten sind doch nur ein Teil des Materials, aus dem wir unsere Kenntnis der Vergangenheit nehmen. Wichtig zweifellos, aber gerade für den Landes- und Lokal- Historiker zu ergänzen durch andere Quellen. Zunächst durch das Stück Land selbst, auf dem sich die Geschichte vollzieht. Aller Landesgeschichte haftet etwas Bodenständiges an. Das ist mir selten so klar geworden wie jüngst an einem regnerischen Herbstabend auf dem Kremmerdamm. Weit dehnt sich die alte Verbindungsstraße zwischen dem Lande Löwenberg und dem Glin durch das öde Luch. In alter Zeit, wohl auch heute noch kaum, stundenweit kein anderer Uebergang von einem Teil zum anderen. Wie plastisch wirkt an solcher Stelle der Zug ostdeutscher Kolonisation, der von der alten Metropole Magdeburg über Brandenburg, Nauen, Kremmen hier seinen Weg entlang nahm gen Nordosten, bei Zehdenick die Havel überschritt und dann über Prenzlau nach Stettin weiterging. An diesem von der Natur vorbestimmten Fleck mußte es zu machtpolitischen Auseinandersetzungen kommen zwischen den jeweiligen Machthabern der Mark und ihren nördlichen und nordöstlichen Gegnern. Das Kreuz auf dem Kremmerdamm ist Zeuge für eines jener Ereignisse. Und klarer wird in dieser einsamen Umwelt auch der Mensch, der in ihr erwuchs. Es liegt mir fern, Richard Dehmel als einen Märker zu fassen,