Heft 
(1924) 33
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die Kirche wohl zu verwahren.

Die Tabernakel oder Sakraments­häuschen dienten diesem Zweck. Die zierlich gebaute Turmpyramide eines solchen lehnt an der Nordwand der großen Halle. Sie ist dem Original der Wittstocker Kirche nachgebildet, die von den dort seit der Mitte des 13. Jahrhunderts residierenden Havelberger Bischöfen besonders reich bedacht wurde. Von ihrem Kunstsinn zeugt auch eine überlebens­große Bischofsfigur aus Eichenholz, deren ausdrucksvolle Gesichtszüge den Museumsbesucher fesseln.

Von den übrigen kirchlichen Ausstattungsstücken sei noch auf die beiden massiven Taufsteine in Kelchform aus Stralau und Tempelhof bei Berlin und auf die Messgewänder hingewiesen, die in einem Museumsraum neben der Kapelle untergebracht sind. Wegen der Ver­gänglichkeit des Materials und der frühzeitigen Einführung der Refor­mation, die der Verinnerlichung des religiösen Gedankens entsprechend dem geistlichen Gewand den Farbenschmuck nahm, gehören diese Stücke zu den Seltenheiten.

Kann der Besitz unseres Museums an kirchlichen Altertümern im Hinblick auf die mehr als 80 Klöster und die Fülle von Stadt und Dorf­kirchen der mittelalterlichen Mark nicht groß genannt werden, er genügt, um die kunstgeschichtliche Stellung des Landes erkennen zu lassen. Sie beruht nicht auf einem ausgeprägten kulturellen Eigen­leben, das der brandenburgische Kolonialboden in der verhältnis­mäßig kurzen Zeitspanne bis zur Einführung der Reformation nicht zu ent­wickeln vermochte. Aber das lebhafte Bedürfnis nach Aufnahme fremder Kunstgebilde und die Auswahl und Anpassung, der sie unterworfen wurden, entbehren nicht charakteristischer Züge. Sie würden zweifel­los schärfer hervortreten, wenn wir über Herkunft und Entstehung der einzelnen Objekte genauer unterrichtet wären. Die Ueberlieferung läßt uns jedoch selbst für die Baugeschichte der Kirchen und Klöster in der Regel im Stich. Der Mangel an historiographischen Quellen wird hier besonders schmerzlich fühlbar.

Ein Ausstattungsstück, dessen Zweck gerade in der Ueberlieferung besteht, zählte jede christliche Kirche zu ihrem Inventar: Das ist die Büchersammlung. Sie hat auch in der Mark nirgends gefehlt und gewann in den Klöstern einen größeren Umfang. Der Bücherkatalog des Klosters Lehnin ist auf uns gekommen. Er umfaßt nahezu tausend Titel. Die einzige märkische Klosterbibliothek, die sich bisher auffinden ließ, verrät uns jedoch nicht nur den Grad der Gelehrsamkeit der Brandenburger Franzis­kanermönche. Sie ist zugleich ein Denkmal für ihre Schreibkunst, ihre Buch­illustration und ihre Einbandtechnik. Erzeugnisse der ältesten Berliner Buchbinderwerkstatt liegen in einzelnen Bänden aus dem hiesigen Dominikanerkloster vor. Auch die Anfänge des Buchdrucks standen noch durchaus im Dienste der Kirche. Davon gibt der in der Druckerei des Klosters Zinna 1493 hergestellte Marienpsalter eine Anschauung, von dem das Märkische Museum eines der wenigen nachweisbaren Exemplare besitzt. Im kirchlichen Buch- und Bibliothekswesen liegen für die Kulturgeschichte der Mark noch eine Reihe von Erkenntnissen verborgen. Sie lassen sich erst gewinnen, sobald die Voraussetzung, die Sichtung der erhaltenen Bestände, einigermaßen erfüllt ist. bedarf es zunächst einer umfassenden Forschungs- und Inventarisierungs­arbeit, wie sie für die Kunstdenkmäler bereits geleistet wird.

Dazu