Heft 
(1924) 33
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Baumaterialproben zu bieten. Das ist der Kirchbau selbst. Die große Halle im Erdgeschoß mit der Empore und einem Seitenschiff, sowie der in Form einer Kapelle angelegte Hauptraum der kirchlichen Abteilung im zweiten Geschoß geben einen Begriff von dem nüchternen Ernst, der den märkischen Kirchen eignet. Die Geschichte ihrer Verbreitung wird durch das verwendete Baumaterial in drei Hauptgruppen zerlegt. Von den ersten Notbauten aus Holz verwehte jede Spur. Behauene Granitquader und rohe Feldsteine behaupteten die Vorherrschaft, bis sie die von den holländischen Kolonisten Mitte des 12. Jahrhunderts eingeführte Backsteintechnik nach und nach verdrängte. Sie wurde in den deutschen Nordostlanden bis nach Dänemark und Südschweden hinauf heimisch. Von den sächsischen Nachbarländern übernahm die Mark den entwickelten romanischen Stil, den gegen Ende des 13. Jahrhunderts der Spitzbogen ablöste. Der gotische Backsteinkirchen­bau erlebte seine schönste Blüte in der Zisterzienserkirche Chorins. Die Tradition des aus Frankreich stammenden Mönchsordens hatte hier mitgewirkt. Der beschränkte Raum und die dichtere Bevölkerung der im 13. Jahrhundert entstehenden Städte stellte die märkische Baukunst neue Aufgaben. Die städtischen Pfarrkirchen, Kapellen und Mendikantenklöster, die sich mit einem engen Bauplatz an der Stadt­mauer zu begnügen pflegten, zeigen mannigfache Lösungen.

vor

Die innere Ausstattung der Kirchen war in der Art der vorhandenen Gegenstände gleichförmig, an Wert jedoch sehr verschieden. Sie gibt einen Maßstab für das Ansehen der Kirchen und die Opferfreudigkeit ihrer Pfarrkinder. Die größere Wohlhabenheit der Städte im 15. Jahr­hundert tritt hierin besonders deutlich zu Tage. Aber die Vorschrift, daß das Hauptstück der kirchlichen Innenaustattung, der Altar, durch ein Schnitzwerk oder Bild, mindestens durch eine Inschrift den Hei­ligen zu erkennen geben soll, dem er geweiht war, hat Kunstwerke bis in die kleinsten Dorfkirchen hineingetragen. Mit Erstaunen be­trachten wir im Märkischen Museum das figurenreiche Schnitzwerk des gotischen Flügelaltars, mit dem sich die kleine Kirche des Dorfes Feld­berg bei Fehrbellin Anfang des 16. Jahrhunderts schmückte. Die Stein­plastik war in der Mark nicht unbekannt. Da jedoch geeignetes Material im Lande fehlte, dürften die meisten Kunsterzeugnisse dieser Art, wie z. B. die Grabplatten, fertig von auswärts beschafft worden sein. Von einer märkischen Plastik kann man erst sprechen, als sich im 15. Jahr­hundert die Holzschnitztechnik der Altarkunst bemächtigte. Die fort­geschrittene Entwicklung der Städte, die politisch ruhigere Zeitepoche und der niederdeutsche Naturalismus kamen der Ausbreitung dieses künstlerischen Ausdrucksmittels entgegen. Seine Gebilde überschüttete die Malerei mit Farben pracht. Wie stark auch in diesem Kunstzweig fremder Einfluß wirkte, zeigt der böhmische Altar des Klosters Lehnin, heute eine Zierde des Brandenburger Doms.

An Beispielen mittelalterlichen Altargerätes ist das Märkische Museum reich. Kruzifixe, Kelche, tellerförmige Patenen für das Abend­mahlsbrot, turmartige Ciborien und Monstranzen zur Aufnahme der ge­weihten Hostie, Vortrage kreuze für die Prozessionen, Leuchter, Reliquien­behälter, Weihrauchbecken und Aquamaniles, Gießgefäße aus Bronze in phantastischen Tierform en für die Handwaschungen des Priesters mit diesen Metallgegenständen pflegten die märkischen Altäre in der Regel ausgerüstet zu sein. Aus vergoldetem Silber bestehen durch­gehend die zahlreich erhaltenen Kelche. Hostie und Chrisma gebot

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