Heft 
(1924) 33
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Auch die Sage knüpft an seine Person an. Wie denn die Phan­tasie des Volkes das Andenken überragender Menschen im Ueber­sinnlichen festzuhalten sucht. Wenn die Nebelschwaden aus den Wiesen­gründen der Wische aufsteigen und des Mondes blasser Schimmer sie zu gespenstischen Gebilden formt, dann taucht der Schatten des alten Admirals hervor, auf den Deichen Umschau haltend wie einst. Wohl mußte man damals, als die Gruft noch stand, acht haben, wenn bei Hoch­wassser die Deichwachen aufgeboten wurden, ob plötzlich um Mitter­nacht heller Schein aus der Kaptainsgruft" aufstieg und der Alte Admiral" den Deich entlang schritt. Bemerkte das einer der Hell­sehenden, dann hatte es gute Wege. Blieb es aber dunkel und stumm, verhüllte der Admiral sein Haupt in Trauer, dann wehe! So war bei der verderbenbringenden Hochflut von 1888 vom Schutzgeist der Wische nichts zu hören und nichts zu sehen.

Anlaß zu solchem Glauben bot ja die Persönlichkeit Gijsels genug; seine auffallende große Erscheinung, der Nimbus, der den Weltfahrer umstrahlte, sowie mancherlei geheimnisvolles, das seine Per­son umgab und im Volke zu mystischen Vorstellungen führte. So er­zählt Bekmann a. a. O. Als der Herr von Lier 70 Jahre alt gewesen, sind ihm seine grauen Haare ausgefallen und an deren Stelle licht­braune wiedergewachsen, die er auch bis an das Ende behalten."

Um schließlich von der Person des Admirals ein abschließendes Bild zu gewinnen, führen wir ein Urteil an, das ein Zeitgenosse von ihm, der Markgraf Hermann von Baden, über ihn fällt. Dieser Fürst be­suchte ihn 1661 im Auftrage des deutschen Kaisers zu see- und handelspo­litischen Besprechungen in Lenzen und blieb da drei Wochen als des Admirals Gast. Die Zeit verging in täglichen Beratungen und Pläne­machen. Der Markgraf nennt den Holländer, der ungefähr im 68. Jahre aus Gelderland gebürtig" sei, einen sinnreichen, zur See und Commercien hocherfahrenen Mann, eines redlichen und arbeitsamen Gemüts, sonst in Calvinischer Religion erzogen, hat einen dreißigjährigen Sohn, so sich auch von Jugend auff und noch dato zur See gebrauchen lässet und bereits Capitain ist in der Flotta, so jüngsthin unterm Vice­Admiral Reuter( de Ruyter) aussgelauffen. Wie dieser Mann von Jugend auf sein Leben in steter Müh und Arbeit ohn einigen Müssiggang zu­gebracht, indem er mehr als 20 volumina( ein Werk in der Wahrheit auff viel tausend zu schätzen) über den Anfang und continuation der ersten indianischen schiffahrten und was denen Trafiquen zu Wasser und zu Lande mehreres anklebt, auch was ihm selbst in währender Zeit von Glück und Unglück widerfahren, eigenhändig geschrieben hat." Diese vielverheissenden Aufzeichnungen, auf die er besonders stolz war, wollte Gijsels der neuen deutschen Handelskompagnie ver­machen. Vermutlich Leider ist von ihnen nichts mehr vorhanden. sind sie durch Vererbung nach Holland gekommen und schlummern dort in irgend einem Archive. Besässen wir sie, dann wären wir in der Lage, uns ein vollständigeres Bild von dieser merkwürdigen Per­sönlichkeit zu verschaffen. Aber was wir von ihr kennen, das genügt, um das Andenken an den um Kurbrandenburg hochverdienten Mann für immer zu bewahren.