Heft 
(1924) 33
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So bildete der Leichnam des Admirals einen Gegenstand scheuer und ehrfurchtsvoller Neugier bei den Bewohnern der Wische, und unser Held schlummerte der Ewigkeit entgegen. Jahrhunderte zogen über seinem Grabe dahin mit Krieg und Kriegsgeschrei, aber nichts störte seine Ruhe. Da brachte das Jahr 1888 ein gewaltiges Hochwasser. Die Deiche brachen, und die Wische waren überflutet. Das Wasser, dem Gijsels so lange Jahre seines Lebens gewidmet, auch im Tode wollte es seine weichen Arme noch um ihn breiten und auf seinen Fluten den Sarg wiegen. Der zerstörende Einfluß des Wassers machte sich denn auch an der Mödlicher Kirche so bemerkbar, daß es geraten erschien, den verfallenden Gruftanbau zu beseitigen und die Gebeine von Vater und Tochter würdig neu zu bestatten, um sie für die Folge vor ähnlichen Unbilden zu bewahren. Das war 1889. Damals gelang es den Bemühungen des Pfarrers R. Handtmann von Seedorf, die Ab­sicht des Staates zur Beseitigung des Anbaues mit Hilfe des Provinzial­Indes nahm der konservators, Geh. Rats Persius, zu verhindern. Verfall der Gruft derart zu, daß Superintendent Winkelmann Mödlich die Angelegenheit wieder in Fluß brachte. Die Mumifizierung der Leichen, die manche Augenzeugen, so Prof. Virchow und Geh. Rat E. Friedel, der Begründer der Brandenburgia", aus eigener Anschauung kannten, war durch das eingedrungene Wasser erheblich beeinträchtigt und der Verfall der Körper dadurch befördert worden.

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Beide Särge wurden am 29. Oktober 1912 in Gegenwart des Gemeindekirchenrates geöffnet. Dabei fand man die Gebeine der Tochter durcheinander geworfen; der Boden des Sarges war beschädigt und das Wasser hatte ungehindert eindringen können. Dagegen war Gijsels Körper noch wohlerhalten. Das Gerippe wies die ansehnliche Länge von 1,80 Meter auf. Am Kopfende fand sich ein hohles Ei vor, das ihm als Sinnbild der Auferstehung mit ins Grab gegeben war. Die sterblichen Reste von Vater und Tochter wurden nun gemeinsam in einen neuen Sarg umgebettet und an der nämlichen Stelle, wo das Begräbnishäuschen gestanden hatte, in der Erde beigesetzt.

Die beiden alten Särge wurden dem Prignitz- Museum zu Havel­berg überwiesen, wo sich auch die Rüstung des Admirals befindet, die Pfarrer Handtmann einst vom Kirchenboden gerettet hatte( Bild 2). Am 8. De­zember 1912 fand der feierliche Akt der Wiederbeisetzung des neuen Sarges statt. Zur Erinnerung an das segensreiche Wirken unseres Ad­mirals hat die Prignitz einen Findlingsblock gestiftet, der seit 1913 sich über dem Grabe erhebt als Zeichen treuer Prignitzer Gesinnung. Seine in der Schreibweise und Chronologie allerdings nicht ganz zutreffende Inschrift lautet:

Arnold Gysel von Lyr 1580-1676.

Immerhin ist es zu bedauern, daß die Umstände die Beseitigung des Gruftbaues geboten haben; denn mit ihm ist ein Anziehungspunkt der Lenzener Gegend dahingeschwunden. Und die Sage, die so sinnig des edlen Holländers Gestalt in ihren romantischen Schleier gehüllt hat, wird neue Wege zu suchen haben, um sie des Volkes Empfinden nahe zuhalten. Auch heute noch ist sein Andenken ein gesegnetes in der Wische. Wenn die Bauern auf dem Deiche entlang fuhren, und die " Kaptainsgruft" passierten, da lüfteten sie wohl die Mütze und beteten: Er hat getragen Christi Joch, Ist gestorben und lebet doch.