Heft 
(1924) 33
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gemein genannt wurde, noch reger Tätigkeit bis zu seinem erst nach 24 Jahren erfolgten Tode.

Zu den Aufgaben, denen der alte Seemann seine ganze Arbeits­kraft widmete, gehört auch die Einführung des Anbaues der Kartoffel und des Flachses; im Anschluß daran richtete er Spinnstubenabende ein zur Unterhaltung und Beschäftigung der Bauern an den langen Winterabenden. Anregend wirkte hier der Tabakgenuß, den der Admiral von seiner Heimat her zu schätzen wußte und mit Erfolg einführte.

Auch dem Gebiete von Kunst und Industrie wandte Gijsels seine reiche Arbeitskraft zu. Er führte die Handweberei ein und ein holländischer Tuchfärber mußte unentgeltlich seine Kunst lehren.

Auch den holländischen Maler Pienaker( Pynaker), einen für jene Zeit nicht unbedeutenden Künstler, zog er nach Lenzen. Der Kurfürst gab ihm auf Gijsels Vorschlag den Auftrag, für seine Galerie Bilder sämtlicher Städte seines Landes zu malen. Das erste Bild war das der Stadt Lenzen; es befindet sich noch heute im Rathause daselbst. Wiedergegeben ist es in den Kunstdenkmälern der Mark Brandenburg. Eine Anzahl der Bilder des Meisters hatte der Berliner Rentier Gustav Jahn als Besitzer der Burg in den Jahren 1871-1885 zusammen­gebracht; mit seinem Tode wurden die Bilder bedauerlicherweise in alle Winde zerstreut.

Da Gijsels als Holländer mit Wasserbauten vertraut war, galt seine ernste Sorge auch der Stromregulierung auf dem rechten Elbufer, von der Stepenitzmündung bei Wittenberge bis zur Löcknitz, sowie der Sicherung der Wische mit hohen Deichbauten, bei denen die Schaffung der Achterdeiche nicht unerwähnt bleiben mag.

Um möglichst allgegenwärtig zu sein, siedelte Gijsels nach dem der Stadt Lenzen benachbarten Dorfe Mödlich über und ließ hier am Ostgiebel der Kirche ein bescheidenes Erbbegräbnis in der Gestalt eines backofenartigen Anbaues aufführen, der im Kirchenbuche des Dorfes ,, Begräbnishäuschen" genannt wird. Nicht im Lenzener Sände wollte der alte Seemann seinen letzten Schlaf halten, sondern dort am Elb­deich, wo das Rauschen hochwipfliger Eichen mit dem ansteigenden Elbstrom sich zu erhabener Harmonie vereint, mitten unter seinen in Mödlich angesiedelten Landsleuten.( Bild 1).

Diesem Wunsche ward Erfüllung, als der alte Admiral im Jahre 1676 hochbetagt zu seinen Vätern einging.

Der, wie wir noch hören werden, heute nicht mehr vorhandene Anbau war ganz schmucklos in Fachwerk errichtet, und anscheinend nur vorläufig errichtet. Der endgültige Bau ist dann wohl aus irgend einem Grunde unterblieben. Dessen ungeachtet wirkte die Grabstätte unter dem reichen gotischen Ziergiebel der Chorseite unter den Ranken einer malerischen Vegetation recht stimmungsvoll. B. L. Bekmann gibt uns in seiner ,, Historischen Beschreibung der Chur und Mark Branden­burg",( Berlin 1753) 2. Band, II. Buch eine anschauliche Beschreibung: ,, In der Kirche zu Mödlich ist in einem besonderen Gewölbe ein Nieder­ländischer Raht in Ostindien, auch nachmahls Churfl. Brandenburgischer Geh. Raht nebst seiner tochter beygesetzet; welches man wegen selten­heit solcher personen in diesem lande nicht unangemerkt lassen wollen."

Auch hier zeigte sich die öfter in märkischen Kirchen beobach­tete Erscheinung der Mumifizierung der beigesetzten Leichen.