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Eises zur Erklärung des Müggelseebeckens ist auch in anderer Hinsicht unbefriedigend. Sie erklärt nicht die Verschiedenheit der Umgebung des Sees im Westen und im Osten. Im Westen haben wir im wesentlichen eine scharfe Umgrenzung durch ein sandiges Ufer, das ich als Erdmoränenaufschüttung deute, im Osten setzt sich der See in einem moorigen Wiesentale fort, das noch bis Hessenwinkel etwa die halbe Breite des Sees behält. Das ist noch alte Seefläche, die nur durch die Sinkstoffe der hier einmündenden Spree und durch die Vermoorung versandet ist. Aus diesen Moorwiesen ragen heute einzelne Sandhügel auf, der Lausewall, die Höhe, auf der das Dorf Rahnsdorf gebaut ist, und der Hügel etwas südlich davon an dem Wege nach Müggelheim sowie andere kleine Anhöhen. Noch in der Dünenzeit waren das alles Inseln im See, dessen Spiegel damals ja kaum 1 Meter höher gedacht werden darf als heute.
Wie rasch in der Humuszeit die Versandung vorgeschritten ist, können wir heute noch nicht beurteilen. Die vorgeschichtliche Besiedlung der Anhöhen in der Wiese geht wohl auf Zeiten zurück, in denen das offene Wasser bis an sie heranreichte. Besser können wir über die Zeit der Entstehung der Anhöhen etwas sagen. Die Höhe südlich Rahnsdorf zeigt, solange sie noch nicht ganz abgetragen ist, deutlich die Deckmoränenschicht, weist also darauf hin, daß schon unter dem Gletscher diese Unebenheiten des Bodens vorhanden waren. Aehnliche Erhebungen müssen wir uns wohl auch unter der Faulschlammschicht am Boden des heutigen Müggelsees denken, nur daẞ hier am Ostende der Seeboden viel flacher war und daher solche ErDer See war eben höhungen über die Wasserfläche aufragten. am Ostende seichter, weil hier erst allmählich die Gletscherzunge mit der ausschürfenden Tätigkeit einsetzte.
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Von Rahnsdorf können wir uns den Abstecher auf die Dünenhöhe des Püttberges nicht versagen. Sie ist ein schönes, wenn auch schon durch die Kultur angegriffenes Beispiel von der typischen nach West offenen Bogenform unserer Binnenlandsdünen, und sie zeigt besonders schön die Steilseiten im Norden und im Osten bis gegen Südosten hin. Die besondere Bedeutung der Dünen bei Wilhelmshagen liegt aber darin, daß hier unmittelbar zu erkennen ist, warum der Dünenzug an dieser Stelle entstand. Gegenüber den in der Dünenzeit herrschenden Ostwinden lag der Platz im Windschatten des Kranichberges, von dem aus die Dünenkette bis gegen den Müggelsee nach Westen läuft. Wahnschaffes eigentümliche Auffassung, daß diese Dünen durch Nordwestwinde entstanden seien, habe ich an anderer Stelle widerlegt.*) Ein Blick auf den steilen Nordrand des Püttberges dicht an der Bahn westlich von der Station Wilhelmshagen dürfte überzeugend wirken.
Auf der Höhe des Püttberges öffnet sich ein wundervoller Blick nach Süden und Osten. Noch übersichtlicher freilich liegt das Gelände vor uns, wenn wir noch wenige Kilometer weiter nach Osten zur Woltersdorfer Schleuse wandern und dort den Kranichberg ersteigen. Der Platz am Fuße des Trigonometrischen Signales gewährt freien Ueberblick über das Berliner Haupttal. In die waldbedeckten
*) Wahnschaffe, Der Dünenzug von Wilhelmshagen- Woltersdorf. Jahrb. d. Geol. Landesanstalt f. 1909, Bd. XXX, Teil I, S. 540 ff.
*) Solger, Neuere Beobachtungen an brandenburgischen Talsanddünen. Mon. Ber d. Dtsch. Geol. Ges. Bd. 62, 1910, S. 34.