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kurz vor dem Seeufer östlich des Prinzengartens. Das Bruchgelände des Thyrn bezeichnet sie dort.
Wir sind damit an das Ufer des Müggelsees gelangt. Steil bricht das Gelände zum See hin ab, aber zwischen dessen Schilfwiesen und dem Steilrande dehnt sich noch ein flacher Küstenstrelfen, auf dem sich der im Volksmunde als Tschemulpo bezeichnete Lagerplatz entwickelt hat. Der Steilrand ist sicher der alte Uferrand des Sees, und doch ist es heute ausgeschlossen, das die Wasser des Sees bis zu ihm hin reichen. Das muß unter anderen Verhältnissen geschehen sein, als der Seespiegel höher stand. Die Ursache ist nicht eindeutig festzustellen. Künstliche Veränderungen des Wasserspiegels sind nicht von der Hand zu weisen. Aber die Erscheinung eines solchen Vorstrandes, der auf früher höheren Wasserstand hinweist, findet sich auch an den Havelseen am Rande des Grunewalds, und hier hat der Mensch den Wasserspiegel in geschichtlicher Zeit eher gestaut als gesenkt. So dürfte die brauchbarere Erklärung die sein, daß unsere Flüsse seit der Dünenzeit ihr ganzes Bett tiefer gelegt haben und dem entsprechend auch ihren Spiegel. Ich habe bereits früher*) darauf hingewiesen, daß z. B. die Spree in der Humuszeit ihr Bett in den Schuttkegel einge-* graben hat, den sie selbst in der Dünenzeit nördlich von Kottbus in die Mulde des Spreewaldes hineingebaut hatte. Die Bewachsung des Geländes in der Humuszeit hinderte eben die Zuführung größerer Sandmassen zu den Flüssen, und diese begannen deshalb den in ihrem Bette liegenden Sand statt dessen fort zu tragen. So tieften sich ihre Läufe ein, und die Spiegel der eingeschalteten Seen mußten dem folgen.
Die Seen innerhalb der Sandflächen unserer großen Täler sind eine schon mehr als einmal erörterte Frage. Wenn man diese Talflächen als die Betten von Schmelzwasserläufen aus dem Ende der Denn Eiszeit erklären will, dann stören die Seenbecken darin sehr. man schreibt bei solcher Erklärung den Schmelzwässern eine weitgehende einebnende Kraft zu, und die Seebecken beweisen, daß die Einebnung an diesen Stellen garnicht vorhanden ist. Meine Erklärung vermeidet diese Schwierigkeit, indem sie die Formen des Talbodens garnicht den Schmelzwässern zuschreibt, sondern den letzten Vorstößen des Gletscherrandes, wobei ich die Frage offen lasse, ob in einem früheren Augenblicke der letzten Vereisung, z. B. bei ihrem Herannahen, etwa Schmelzwässer diesen Weg gewählt und auch ausgestaltet haben mögen. Das Entscheidende für mich ist, daß danach als letzte formgebende Kraft das Eis sowohl aus den Bodenformen als auch aus der dünnen Deckmoränenschicht nachweisbar ist. Man hat die Seebecken auch im Rahmen der Urstromtaltheorie zu erklären gesucht. Man sagte, die Schmelzwässer hätten damals wohl den Talboden eingeebnet, aber sie hätten dabei große Schollen toten, d. h. nicht mit dem fließenden Gletscher mehr verbundenen Eises übersandet, und diese seien erst weit später aufgetaut, als die Schmelzwässer keine Gewalt mehr hatten. Dann wäre über ihnen die Sanddecke eingestürzt und so das Becken entstanden. Das Profil des Kanonenberges mit seiner bis zum Talboden hinabgehenden Deckmoräne zeigt aber, daẞ tatsächlich schon unter dem Eise die Form des Talgehänges am die Schmelzwässer Nordabfall der Kanonenberge vorhanden war,
hier also tatsächlich nichts umgestaltet haben. Die Annahme toten
*) F. Solger, Geologie von Brandenburg( im ,, Märkischen Heimatbuch" 1924) Seite 19.