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weist geradezu, daß hier keine großen Schmelzwassermassen nach dem Verschwinden des letzten Eises gewirkt haben; denn sie hätten die Vertiefung, in der heute der See liegt, mit ihren Sanden ausfüllen müssen. Der Westrand des Sees entspricht nach unsern früheren Schlüssen auffallend genau einer bestimmten zeitweisen Lage des Eisrandes. Das ganze Becken lag also unter der von Osten sich vorschiebenden Gletscherzunge. Solche Vertiefungen unter einer Gletscherzunge sind der glacialen Morphologie nicht fremd. Wir kennen sie bis zu sehr viel größeren Abmessungen am Alpenrande und bezeichnen sie als glaciale Zungenbecken.
Der Bodensee ist das wohl bekannteste Beispiel. Der aus den Alpen heraustretende Rheingletscher hat in seiner eiszeitlichen Ausdehnung dieses Zungenbecken geschaffen, indem er den Boden unter sich fortscharrte und um seinen Rand herum als Endmoräne aufhäufte. Die so entstandene Vertiefung füllte sich nach dem Abtauen mit Wasser, und im Norden des dadurch gebildeten Sees finden wir deutlich die erwähnten Endmoränenbildungen. Wir werden entsprechende Bildungen auch in der Umgebung des westlichen Teiles des Müggelsees suchen
müssen.
Wenn wir dem Verlauf der Neuen Wiesen in der Richtung auf das Seeufer folgen, kommen wir an den Kuhwall, eine Anhöhe, die die Wiesen gegen den Müggelsee fast abschließt. In ihm sehe ich ein Stück jener Endmoräne, in der das aus dem Müggelsee herausgeschaffte Material vom Eise niedergelegt worden ist. Eine flache Geländewelle läßt sich von da nach Norden bis gegen das Müggelschloß verfolgen, und daß auch am Südrande des Sees größere Sandmassen vor den Fuß der Müggelberge hingeschüttet worden sind, das zeigt uns das Vorhandensein des Teufelssees, zu dem uns nun unser Weg führt.
Zwischen den eigentlichen Müggelbergen und den Kanonenbergen zieht sich hier ein Tal nach Westen, und die Mündung dieses Tales ist im Norden durch die Sandanhäufungen der genannten Endmoräne zugedämmt. Augenblicklich ist dicht am Wirtshaus am Teufelssee ein größerer Aufschluß durch eine Grube geschaffen, in der man sieht, daß der dortige Sand in der Tat von dem am Nordfuße des Kanonenberges abweicht. Während dort das Vorkommen kleiner Steinchen auf eine dünne Schicht nahe der Oberfläche beschränkt ist, reichen hier solche Steinchen bis zu dem über einen Meter tief liegenden Boden der Grube unregelmäßig verteilt hinunter. Hier liegt eben nicht eine dünne Grundmoräne des letzten Eises über älteren Schmelzwassersanden, sondern die ganze Sandmasse ist erst durch das letzte Eis hier hingeschüttet, und demgemäß ist sie auch ganz von kleinen Steinchen durchsetzt, wenn diese auch nur selten sind, weil die Hauptmasse eben der aus dem Müggelseebecken herausgescharrte Sand ist, dem das Eis von seinem Schutte nur ganz wenig beimischte.
In der dreieckigen Vertiefung, die durch die Abdämmung südlich der Endmoräne entstand, sammelte sich das Wasser des Teufelssees, und in der Humuszeit ist der flachere Nord- und Ostteil dieser kleinen Senke vermoort. Die Moorbildung ist bis zum Uebergangsmoor fortgeschritten, auf dessen Oberfläche im Sommer zwischen den feinen Formen der Moosbeerpflanze der rote Schimmer des Sonnentaues sichtbar wird.
Die flache Rinne, die hier gegen Nordosten durch die Endmoräne abgedämmt ist, erscheint nördlich von deren Sandanhäufungen wieder