Heft 
(1924) 33
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Skelett, das nach freundlicher Angabe des Herrn Prof. Mathschie höchst wahrscheinlich einem schwedischen Vielfraß angehört. Ein zweites Skelett, das sich im Königsberger Museum befindet und dessen Ulna

mir Herr Geh. Rat Braun freundlichst leihweise überließ, ist ohne Herkunftsdaten. Von dieser Ulna wich die fossile erheblich ab, sie ist z. B. viel stärker geschweift. Dahin­gegen zeigt sie grosse Uebereinstimmung mit der Ulna des Berliner Skelettes. Dieses gehört aber einem jungen Tiere an, dessen Epiphysen mit der Diaphyse noch nicht verwachsen sind. Es ist daher nicht möglich, festzustellen, ob Unterschiede, welche in stärkerer Profilierung d. h. tieferer Einsenkung der Längsfurche auf Vorder- und Hin­terseite, größerer Verbreiterung nach oben bei der diluvialen Ulna Art- oder Altersunterschiede sind. Auf jeden Fall möchte ich nochmals nachdrücklichst auf den erheblichen Unterschied in der Form der Ulna des königsberger Exemplares gegen die beiden anderen hinweisen. Er macht es wahrscheinlich, daß zwischen den einzelnen Guloarten er­hebliche Unterschiede im Knochenbau bestehen, deren Fest­stellung an genügend gesichertem Material wohl lohnend wäre Ferner möchte ich noch besonders betonen, daß die Ulna von Niederlehme durchaus nicht stärker ist, als die rezente. Wenn also Kormos 1914 behauptet, der diluviale Gulo sei stärker als der rezente, so kann das in dieser Allgemeinheit nicht ausgesprochen werden. Die rezenten Guloarten sind sehr verschieden groß. Matschie stellte ( Sitzber. Ges. naturf. Freunde 1911) bei seinem Gulo bieder­manni, Männchen, aus den Telezker Bergen Westsibiriens eine Condylobasallänge von 133,7 mm und bei einem Männchen von Labrador eine solche von 149,5 mm fest. Aehnlich werden also auch die diluvialen Guloarten ver­schieden groß gewesen sein. Und wenn Gulo spelaeus Goldf. aus der Gailenreuther Höhle besonders groß war, so braucht dies noch nicht für andere diluviale Guloarten zu gelten, ein Gedanke den übrigens Kafka schon ausge­sprochen hatte.

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Ebensowenig wie ich also in dieser Hinsicht Kormos zu folgen vermag, vermag ich es in einer anderen. Weil Kormos seinen Gulo schlosseri in präglazialen Schichten fand. meinte er, das Tier sei vor der Eiszeit in Europa. einheimisch gewesen, habe sich hier während der Eiszeit an arktisches Klima angepaßt und sei erst mit dem Rück­zug der Gletscher nach Norden gelangt. Nun hat aber E. D. Cope( Vertebrate remains from the Port Kennedy bone deposit, Journal of the Acad. of Nat. Sc. of Philadel­phia Vol. 11. part. 2. 1899) Fossile Guloreste aus den alt­quartären Megalonyx- Schichten von Port Kennedy, Penn­Sylvania beschrieben. Es kann also das Vorkommen alt­quartärer Guloreste in Europa für die Herkunft der Art nichts aussagen. Sie beweisen lediglich, daß Gulo schon vor der Eiszeit eine circumpolare Verbreitung hatte. Er dehnte damals sein Gebiet nur weiter nach Süden aus etwa bis zum 40. Grad, während er heute im Altai, also dem 50. Grad den südlichsten Punkt seiner Verbreitung erreicht.

Abbildung der Elle des diluvialen Viel lehme( Märk. Mus. Katal. AI Nr. 9446)

fraßes von Nieder­